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Stadtv. Oskar Hoffmann (SPD):
Ich beantrage, die Stadt "Wuppertal" zu nennen.
Stadtv. Molineus (D.N.):
Vorhin, bei Punkt 2 ist auch beantragt worden, den Punkt 3 zu vertagen. Wir sind jetzt bei dem Punkt 3, sodaß
über den Vertagungsantrag zu Punkt 3 zuerst abgestimmt werden muß.
Stadtv. Dülfer (D.N.):
Der Antrag ist soeben abgelehnt worden.
(Widerspruch.)
Stadtv. Tillmanns (D.V.P.):
Ich bitte, den Vertagungsantrag abzulehnen. Gries hatte beantragt, die Punkte 2 und 3 zu vertagen. Dieser Antrag
ist abgelehnt worden, auch über Punkt 3 ist also abgestimmt worden. Die Vertagung ist also bereits abgelehnt.
Evtl. muß ein neuer Vertagungsantrag gestellt werden.
Stadtv. Gries (D.N.) (Zur Geschäftsordnung):
Nach den letzten Ausführungen beantrage ich erneut, den Punkt 3 zu vertagen. Vorsitzender Beigeordneter Weggen:
Herr Gries hat also seinen Vertagungsantrag erneuert.
Stadtv. Tillmanns (D.V.P.):
Ich bitte, den Vertagungsantrag abzulehnen. Wir sind uns alle klar darüber, daß ein neuer Name geschaffen
werden soll. Die Sache ist vollkommen spruchreif und wir können sie heute noch erledigen. In jeder Fraktion
ist darüber Einmütigkeit vorhanden. Herr Hoffmann hat den Namen "Wuppertal" vorgeschlagen.
Ich schließe mich diesem Vorschlag an.
Stadtv. Ripke (N.S.):
Ich möchte an den Herrn Versammlungsleiter eine Frage richten folgenden Inhalts: Soeben hat Herr Hoffmann
den Antrag gestellt, die Stadt "Wuppertal" oder "Wupperstadt" zu benennen.
(Zuruf Wuppertal !)
Es liegt ferner ein Antrag vor, daß die Beratung über den Punkt 3 auch vertagt werden soll. Ich möchte
da die Frage an den Herrn Vorsitzenden richten: Kann man jetzt noch einen Namen vorschlagen, oder muß erst
über den Vertagungsantrag gesprochen und abgestimmt werden ? Bei Punkt 2 hat man auch nur über die Vertagung
gesprochen: und auf einmal wurde dann zur Wahl geschritten. Ich möchte nicht, daß hier nur der Name
"Wuppertal" vorgeschlagen wird, daß nur über den Vertagungsantrag gesprochen werden darf und
dann wieder auf einmal nur der eine Vorschlag "Wuppertal" vorliegt. Dagegen möchte ich mich schützen.
Aus diesem Grunde möchte ich fragen: Kann ich zur Namensnennung sprechen ?
(Zuruf: Jawohl !)
Dann möchte ich mich zu dem Vorschlag des Herrn Hoffmann kurz äußern. Mir ist es tatsächlich
unverständlich, wie ein Mensch, der historisch denkt, vorschlagen kann, daß der Namen Barmen-Elberfeld
oder Elberfeld-Barmen verschwinden und statt dessen ein neuer Name gewählt werden soll.
(Zuruf: Die alten bleiben doch !)
Wenn ich die Stadt Wuppertal in ihrer Gesamtheit nenne, so kann ich sie nicht gleichzeitig Barmen oder Elberfeld
nennen. Ich kann es verstehen, wenn ein Mann, der Moses Pinkeies heißt, seinen Namen zu ändern wünscht
und sich lieber "Moritz Wasserstrahl" nennen will,
(große Heiterkeit)
aber Barmen und Elberfeld sind doch nicht in solcher Weise vorbelastet.
(Vorsitzender:
Ich bitte, meine Damen und Herren, um etwas mehr Ruhe, damit man den Redner verstehen kann.)
Für denjenigen, der noch einen Funken Achtung vor der deutschen Vergangenheit und vor dem, was unsere Vorfahren
in Barmen und Elberfeld geschaffen und geleistet haben, besitzt - die Namen Barmen und Elberfeld sind als solche
in der ganzen Welt bekannt - , ist es wohl klar, daß er sich nicht anders entscheiden kann, als entweder
für Barmen-Elberfeld oder Elberfeld-Barmen einzutreten. Welchen von beiden Namen Sie vorziehen, ist mit gleich.
Darüber können Sie meinetwegen knobeln, losen oder einen Boxkampf veranstalten. Vom deutschen Standpunkt
aus müssen wir jedenfalls für einen der alten Namen Barmen-Elberfeld oder Elberfeld-Barmen eintreten.
Als Charlottenburg und die anderen Städte mit Berlin vereinigt wurden, da hat man die Stadt auch nicht Spree-Athen
oder Neu-Jerusalem genannt, sondern hat die alten Namen behalten. Aus diesem Grunde stellen wir den Antrag, die
Stadt Barmen-Elberfeld auch weiterhin zu benennen.
Stadtv. Tillmanns (D.V.P.):
Ich möchte doch darauf aufmerksam machen, daß, wenn wir den Grundnamen Wuppertal nehmen, der Zusatz
des alten Namens bleibt, z.B. Wuppertal-Barmen, Wuppertal-Elberfeld usw. Es gibt da noch einige kleine Nuancen,
da wahrscheinlich der Zusatz der Postämter in Frage kommt. Diese Frage mögen aber die Postbehörden
erledigen. Wenn wir grundsätzlich für den Grundnamen "Wuppertal" eintreten, so haben wir m.
E. die Lösung gefunden, die allen gerecht werden könnte. Es ist ein Unding, den Namen einer Stadt aus
2 Worten bestehen zu lassen, wenn wir immer in die Notwendigkeit versetzt werden, einen 3. Namen wieder hinzuzufügen,
wie es jetzt bezüglich Barmen-Elberfeld, Barmen, oder Barmen-Elberfeld, Elberfeld, der Fall ist. Wenn wir
schon einen Doppelnamen nötig haben, so soll man nicht ohne Not aus dem zweifachen einen dreifachen machen.
Ich schließe mich nochmals dem Vorschlage "Wuppertal" an.
Stadtv. Witte (K.):
Die Kommunisten beantragen, die neue Stadt "Hungerstadt" zu benennen
(Bravo ! b. d. Köm.).
Stadtv. Rudolf Bamberger (SPD):
Ich schließe mich dem Vorschlage meines Parteifreundes Hoffmann an, möchte aber darauf aufmerksam machen,
daß wir hier zu einer Beschlußfassung gar nicht zuständig sind, denn wir haben nicht das Recht,
die Stadt "Wuppertal" zu benennen. Aus dem Grunde wäre ich dafür gewesen, die Punkte 2 und
3 erst an die Kommission zu verweisen. Wir können heute hier nur beschließen, eine Anregung an die Regierung
weiter zu leiten bzw. an das Ministerium, und letzten Endes muß sogar der preußische Landtag darüber
entscheiden.
(Zuruf: Nein, das ist nicht der Fall !)
Ganz bestimmt aber das preußische Staatsministerium ! Das zunächst zur Aufklärung !
Nun noch eins ! Ich begreife, daß Herrn Witte der allgemein gewünschte Name "Wuppertal" nicht
paßt. Ich könnte mir denken, daß er mit uns einig gehen würde, wenn er nicht fürchtete,
von Moskau eine Rüge zu erhalten, weil er mit der "bürgerlich-sozialdemokratischen Mehrheit"
(Zuruf bei den Kommunisten: Brolat !) -
damit haben wir hier gar nichts zu tun, sondern lediglich mit Ihnen und Ihren Torheiten ! - gestimmt hat.
Über Herrn Ripke staune ich auch. Es ist doch selbstverständlich, daß der Name "Wuppertal"
genau so schön deutsch und so gut deutsch klingt, wie Barmen-Elberfeld oder umgekehrt. Gerade dadurch, daß
wir die Stadt "Wuppertal" nennen wollen, bleibt die Möglichkeit, die alten Namen Barmen, Elberfeld,
Ronsdorf, Cronenberg und Vohwinkel zu erhalten. Der Name "Wuppertal" klingt so gut deutsch, daß
doch Bedenken deutschvölkischer oder deutschstämmischer Art nicht zu erheben sind.
Stadtv. Fix (W.P.):
Ich möchte mich dem Vorredner anschließen und dabei den Grundnamen "Wuppertal" mit den einzelnen
Ortsnamen der übrigen Gemeinden verbinden. Damit erreichen wir m. E. den Zweck, der für den gewerblichen
Mittelstand wie für die gesamte Wupperstadt am allerbesten geeignet ist. Erstens bekommen wir durch die Neubenennung
der Stadt endlich Frieden in der Bevölkerung, und zweitens haben wir die Gewißheit, daß die alten,
ehrwürdigen Namen der einzelnen Gemeinden nicht in Vergessenheit geraten. Das ist der Zweck meines Antrags.
Stadtv. Kotthaus (D.N.):
Ich möchte für die Außenbezirke beantragen, daß wir den Namen "Wupperstadt" nehmen
und nicht "Wuppertal", denn Ronsdorf liegt nicht im Tal der Wupper und Cronenberg liegt auf dem Berge.
"Wuppertal" und Cronenberg lassen sich sehr schlecht miteinander in Einklang bringen.
Stadtv. Paffrath (Z.):
M.D.U.H., über den Namen der neuen Stadt ist schon viel gesprochen und geschrieben worden. Wer draußen
in der Welt gewesen ist, wird feststellen müssen, daß es ganz ausgeschlossen ist, daß die Namen
der beiden Städte Barmen und Elberfeld verschwinden; denn Barmen ist auf dem ganzen Continent als Fabrikstadt
und Elberfeld als Handelsstadt bekannt. Über den Namen "Wuppertal" läßt sich deshalb
streiten, weil die Orte, die vorhin angeführt worden sind, Cronenberg und Ronsdorf, nicht zum Wuppertal gehören.
Deshalb wird eine gewisse Beruhigung bei den Außenbezirken eintreten, wenn die Stadt "Wupperstadt"
mit den Zusätzen: Elberfeld, Barmen, Ronsdorf usw. genannt wird.
Stadtv. Körte (Freie ev. W.V.):
M.D.U.H., ich kann es sehr wohl verstehen, daß Sie für die beiden Namen eintreten. Niemand wird aber
darum "Elberfeld-Barmen" sagen, sondern er wird schreiben Barmen oder Elberfeld. Im übrigen ist
der Name "Wuppertal" falsch. Es ist ziemlich unsinnig, denn Cronenberg und Ronsdorf liegen nicht im Tal
der Wupper, sondern auf der Höhe.
(Zuruf: Der Höchsten auch !)
Nennen Sie die Stadt "Wupperstadt" mit den Zusätzen "Ronsdorf" usw., dann haben Sie den
historischen Namen erhalten und wir einen vernünftigen Namen bekommen. Ich plädiere für den Namen
"Wupperstadt" mit den Zusätzen.
Stadtv. Dr. Wesenfeld (D.N.):
Ich muß Herrn Bamberger Recht geben, daß wir die Rechnung einstweilen ohne den Wirt machen. Die Stadtverordneten-Versammlung
kann über den Namen nicht entscheiden, sondern das kann nur das Staatsministerium oder der Landtag, weil der
Name gesetzlich in dem Umgemeindungsgesetz festgelegt ist. Ich will jetzt hier nicht darüber streiten, ob
das Staatsministerium es machen kann oder ob ein Beschluß des Landtags erforderlich ist. Ich stelle den Antrag,
daß wir beschließen, das Staatsministerium zu ersuchen, der neuen Stadt Barmen-Elberfeld den Namen
"Wuppertal" zu erteilen. Dann mag das Staatsministerium den Weg gehen, den es für richtig hält.
Was den Namen selbst angeht, so möchte ich Herrn Axel Ripke erwidern, daß er offenbar nicht im Tal geboren
ist.
(Sehr gut !)
Wir, die wir im Tal geboren sind, wissen, daß der Name "Wuppertal" mindestens dieselbe wirtschaftliche
und historische Bedeutung hat, wie die Namen Barmen und Elberfeld. Wuppertaler Artikel und Wuppertaler Menschen
sind in der ganzen Welt bekannt. Wenn wir den Namen "Wuppertal" nehmen, so ist es selbstverständlich,
daß wir außerdem noch die Namen Barmen oder Elberfeld hinzusetzen. Das muß als Unterscheidung
bleiben. Ich habe gestern noch mit einem maßgebenden Herrn von der Postverwaltung gesprochen. Er sagte, daß
der Name Barmen-Elberfeld oder Elberfeld-Barmen auf die Dauer vollkommen unmöglich sein würde, denn man
könnte nicht dauernd sagen: Barmen-Elberfeld, Barmen oder Elberfeld-Barmen, Barmen usw. Das ginge auf die
Dauer nicht. In Zukunft würde es dagegen heißen: Wuppertal-Barmen, Straße soundso oder Wuppertal-Cronenberg
oder Wuppertal-Beyenburg. Die Unterscheidungen bleiben völlig erhalten. Das historische Gemüt des Herrn
Axel Ripke kann sich also beruhigen.
Ich sage also nochmals: Wir sollten einen Antrag an das Staatsministerium richten, der neuen Stadt Barmen-Elberfeld
den Namen "Wuppertal" zu geben. Das Staatsministerium wird schon wissen, wie die Sache weiter gehandhabt
werden soll.
Vorsitzender:
Es ist Schluß der Debatte beantragt.
Stadtv. Dr. Dichgans (Z):
Ich möchte gegen den Schluß sprechen, weil ich die Frage nicht für geklärt halte. Ich stelle
fest, daß die große Mehrheit für Aenderung des Namens ist; der einzige springende Punkt ist aber,
ob die Stadt "Wuppertal" oder "Wupperstadt" genannt werden soll. Selbstverständlich könnten
wir darüber abstimmen und je nachdem, wie die Mehrheit entscheidet, würde der Name lauten. Aber ich möchte,
daß wir in diesem Gremium einen möglichst einheitlichen Beschluß über den Namen herbeiführen.
Ich möchte das so auffassen, daß, wenn die Mehrheit sich für "Wuppertal" entscheidet,
dann auch die ganze Stadtverordnetenversammlung hinter diesem Namen steht. Das würde dem Staatsministerium
gegenüber ein größeres Schwergewicht auslösen, als wenn wir uns über den Namen nicht
einigen. Wir sollten also zunächst über den Namen abstimmen, und wenn sich eine Mehrheit für einen
Namen findet, bitte ich nochmals abzustimmen, ob die Stadtverordnetenversammlung einmütig für diesen
Namen dann eintritt.
Vorsitzender:
Ich bitte darüber abzustimmen, wer für Schluß der Debatte ist.
(Geschieht.)
Das ist die Mehrheit. Ich schließe also die Diskussion hierüber und bringe die Anträge zur Abstimmung.
Zuerst liegt der Vertagungsantrag vor, mit dem Untergedanken, daß der Finanzausschuß sich mit dieser
Frage beschäftigen soll
(Herr Gries (D.N.):
Ich ziehe den Vertagungsantrag zurück !).
Der Vertagungsantrag wird zurückgezogen. Dann bleibt also nur noch übrig der Antrag Ripke, den Namen
Barmen-Elberfeld zu belassen, und der Antrag des Herrn Justizrat Dr. Wesenfeld: "Das Staatsministerium wird
ersucht, der neuen Stadt den Namen "Wuppertal" zu erteilen."
Stadtv. Dülfer (D.N.):
Es ist auch noch der Antrag gestellt worden für den Namen "Wupperstadt".
Vorsitzender:
Es ist aber doch in der Mehrheit für die Bezeichnung "Wuppertal" Propaganda gemacht.
Stadtv. Homberg (W.P.):
Es muß zunächst über den Antrag Ripke abgestimmt werden, daß die Stadt den Namen "Barmen-Elberfeld",
wie er im Gesetz steht, behalten soll.
Stadtv. Gunot (D.):
Der weitergehende Antrag ist ganz entschieden die Aenderung des Namens.
Vorsitzender:
Das können Sie doch nicht sagen. Um allen gerecht zu werden, bitte ich darüber abzustimmen, ob der Name
geändert werden soll, der jetzt im Gesetzt steht. Das deckt sich mit dem Antrag des Herrn Ripke. Ich bitte
diejenigen, die den Namen Barmen-Elberfeld behalten wollen, aufzustehen.
(Geschieht.)
Das ist die Minderheit.
Stadtv. Frl. Hartmann (D.N.):
Der Antrag des Herrn Ripke war, entweder "Barmen-Elberfeld" oder "Elberfeld-Barmen". Als "Barmen-Elberfeld"
genannt wurde, riefen nur einige dagegen: Welches nun, Elberfeld-Barmen oder Barmen-Elberfeld ?" Vielleicht
hat der Herr Vorsitzende die Freundlichkeit, über beide Namen abstimmen zu lassen.
Vorsitzender:
Es scheint ein Irrtum obzuwalten bei der Abstimmung über "Barmen-Elberfeld."
Ich bitte nochmals abzustimmen. Wer ist für "Barmen-Elberfeld" ?
Das ist also die Minderheit.
Wer für "Elberfeld-Barmen" ? -
Das ist niemand.
(Große Heiterkeit.)
Wer ist für den Namen "Wuppertal" ? -
Das ist die überwiegende Mehrheit.
Es wird dann also noch der Zusatz gemacht von Herrn Justizrat Dr. Wesenfeld, daß das Staatsministerium gebeten
wird, diesen Namen gutzuheißen.
Damit ist die Tagesordnung erledigt, und ich bitte, das Protokoll zu verlesen.
(Nach Verlesung und Genehmigung des Protokolls wird die Sitzung um 19 Uhr geschlossen). |
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