History informations - J. P. Bemberg (74)

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Bericht
 

Skizze 1
 

Skizze 2
 

Muster
 

Detail
 

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Bericht
 

Versuchs-Abteilung
 
Wuppertal, den 22.5.1954
Dr. Hp/Er.
 
Verfahren zur Herstellung eines verkaufsfähigen Melange-Garnes.
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Wie schon früher mitgeteilt, brachten Versuche ein brauchbares Melange-Garn dadurch zu erzielen, dass man Schwarzlösung in kleinen Portionen stetig in den Raum oberhalb der Spinnbrause eindrücken, keinen Erfolg. Ungeachtet der vielen und auch zeitraubenden Bemühungen gelang es nicht, Stränge zu erhalten, die tauglich waren. Die aus ihnen gefertigten Gewebe fielen dementsprechend so streifig aus, dass ihre Verkaufsfähigkeit bezweifelt werden musste.
 
Um nun den Schwarz-Weiß-Effekt, wenn auch in anderer Weise, für modische Zwecke auszunützen, fachten wir an der kleinen Versuchsmaschine ohne irgendwelche Zusatzapparaturen einen schwarzen und einen matt-weißen Faden zusammen. Beim Einschießen dieses Garnes in eine Kette erlebten wir insofern eine Überraschung, als ein ausgesprochener Melange-Effekt im Gewebebild herauskam. Die Melange-Zeichnung unterschied sich in keiner Weise gegenüber früher.
 
Der Melange-Effekt wird offensichtlich dadurch hervorgebracht, dass die anfänglich parallele Lage der Textilfäden während der späteren Wäsche und insbesondere Trocknung verloren geht. Durch eintretende Schrumpfvorgänge müssen Verwerfungen entstehen, die für das eigentümliche Gewebebild verantwortlich gemacht werden können.
 
Unser Vorhaben, größere Mengen Melange-Garn nach dieser so überaus einfach erscheinenden Methode zu spinnen, schlug fehl, denn wir stiessen auf unerwartete Schwierigkeiten, die erst in mühevoller Kleinarbeit beseitigt werden mussten. Trotz mehrfacher Wiederholung gelang es uns nämlich nicht, streifenfreies Gewebe aus diesem Garn zu erhalten. Mikroskopische Untersuchungen zeigten, dass die Garnteile verschiedener Stränge und z.T. auch ein und desselben Stranges in Ton nicht miteinander übereinstimmten. Das einemal füllte der schwarze Fadenteil bevorzugt die Oberfläche des Gespinstes aus, das andere mal der weiße Fadenanteil.
 
Um diesen Kardinalfehler zu beseitigen, musste ein Weg gefunden werden, auf den es gelang, dem Melange-Garn schon während des Spinnens sein späteres Verhalten bzw. Aussehen vorzuschreiben.
 
Nach mehreren Fehlschlägen erreichten wir die gewünschte Vereinheitlichung der äusseren Beschaffenheit des Gespinstes in erster Linie durch Einhaltung besonderer Bedingungen beim schließen des Garnes an den Schließerröllchen. Es erwies sich als grundfalsch, die beiden Teilfäden, ohne vorher ihre Lage zueinander zu ordnen, auf die Schließerröllchen zu bringen. Vielmehr war es notwendig, den einen Faden - in unserem Falle den schwarzen - seitlich stark abzulenken.
 
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Nachstehende Skizzen veranschaulichen die falsche und die richtige Lage des Teilfadenpaars auf den Röllchen.
 
Die Gleichmässigkeit des Garnes in unserem Sinne wird, wie wir fanden, durch eine Erhöhung der Röllchen-Umdrehungen auf 90 T/min. noch weiter unterstützt.
 
Die gemachten Erfahrungen und Beobachtungen führten zu einer Spinnanordnung, wie sie in einer Skizze am Ende des Berichtes veranschaulicht wird.
 
An einer Spinnapparatur und zwei Lösungrohren wird auf der
einen Maschinenseite schwarz, auf der anderen dagegen farblos - Glanz oder Matt - gesponnen. Der farblose Faden läuft wie üblich, nachdem er die Umlenkstange passiert hat, auf das Schließerröllchen, dann auf die Abzugswalze und von da auf den Haspel. Den schwarzen Faden lässt man zunächst auch die Umlenkstange passieren, dann aber leitet man ihn mittels eines Richtstabes (wie bei Shantuna) seitlich ab, damit er nicht in den Wasserstrahl der Spinntrichter für den farblosen Faden kommt. Kurz vor den Schliesserröllchen - Abstand etwa 50 m/m - wird er durch ein Glasstäbchen noch einmal so abgelenkt, dass er stets im gleichen Winkel auf den farblosen Faden trifft. Das an einer Leiste befestigte Stäbchen ist leicht gewinkelt, wodurch es möglich ist, durch Drehen desselben, den schwarzen Faden immer in die richtige Lage zu bringen (s. Skizze).
 
Wir haben mit dieser Anordnung Melange-Garn in schwarz/farblos - glanz und schwarz/farblos-matt hergestellt. Die Spinnbedingungen waren:
 
     Abzug: 50 Meter/Min., Wasser: 500 ccm, Temp. 41° C
     Titer: Schwarz 40 den, farblos 80 den.
 
Die Webstücke, die zweischüssig gefertigt wurden, zeigten bei einer sehr ansprechenden Oberflächenzeichnung weder in der Aufsicht, noch in der Durchsicht Banden.
 
Für Versuche in Augsburg haben wir 2x3 Kilo Melange-Garn gesponnen und werden noch weitere Muster angefertigt.
 
Das neue Spezial-Garn ist in bestimmten Grenzen variationsfähig.
 
Je nach der Wahl des Titers für den schwarzen und den farblosen Teilfaden gelingt es, hellere oder dunklere Gewebe zu erzielen.
 
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Die Gestehungskosten für das Gespinst sind etwa die gleichen wie bei der normalen Haspelseide.
 
Wir sind dabei, unsere große Versuchsmaschine 5 für das Spinnen von Melange-Garn vorzubereiten, damit wir grössere Musteraufträge, falls es die Verkaufs-Abteilung wünscht, durchführen können.
 
Dr. Hoelkeskamp           Steinberg.
 
Verteilung:
Vorstand
Herrn Dr. Malkomes
Herrn Dr. Schubert
Herrn Dr. Sallner
Herrn Dr. v. Klenck
Akten.
 
 

Muster
 

120 den
Melange-Garn
 
90 den Matt
30 den Schwarz
 

Anmerkungen:
 
Dargestellte Proben: original Bembergseide-Material
 
m/m =
 
Meter/min
 


Quelle: LXVI