History informations - J. P. Bemberg (53)

Bemberg girls, holiday trip to the island Norderney at 1928

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Ferienreise der Lehrmädchen der Lehrwerkstatt J. P. Bemberg nach Norderney
 
Schon lange freuten wir uns auf die Ferienfahrt nach Norderney. Endlich war der langersehnte Tag gekommen. Am 18. Juni morgens punkt 7,15 Uhr fuhr unser Zug. Mit dem Lied "Nun ade du mein lieb Heimatland" verließen wir unsere Heimatstadt. Von Barmen fuhren wir mit einem Personenzug bis Meppen; von hier aus benutzten wir einen Eilzug. Oft fuhren wir durch herrliche Wälder, Felder und Wiesen. Je mehr wir uns der Nordsee näherten, desto flacher wurde die Gegend. Bald hatten wir den Norddeicher Bahnhof erreicht.
Wir sahen schon das Schiff, das uns nach Norderney übersetzen sollte.

Wir bekamen die Erlaubnis, das ganze Schiff zu besehen. Gleich ging es in die Kabinen. Hier war es aber nicht besonders schön. Deshalb zogen wir es vor, mit Fräulein Gerhards an Deck zu gehen, um den schönen Hafen zu besichtigen. Weit in die Nordsee konnten wir sehen; die naheliegenden Inseln waren auch deutlich zu erkennen.

Nach einer einstündigen Fahrt langten wir in Norderney an, Herta Unger, die mit der ersten Gruppe gefahren und noch in Norderney geblieben war, erwartete uns an der Anlegestelle und wurde von allen freudig und erwartungvoll begrüßt. Herta war unsere Führerin, und brachte uns zu unserem Heim. Als wir anlangten, blieben wir einen Augenblick still stehen und fragten untereinander: "Soll das die Jugendherberge sein ?" Wir hatten uns nämlich die Herberge ganz anders vorgestellt. Sie hatte von außen Ähnlichkeit mit einem Kuhstall. Ein Herr führte uns zum Schlafsaal. Sogleich stürmte alles auf die Betten los; denn im Zug hatten sie schon gesagt, wir wollten allen oben schlafen. Kläre Hartmann sagte: "Das sind ja die reinsten Paradiesbetten." Es war kaum eine Stunde vergangen, so schlief schon alles.

Des Morgens gingen wir frisch und ausgeruht zum Strand. Hier herrschte reges Leben und Treiben. Am meisten konnte man sich über die Photographen amüsieren, denn nichts anderes hörte man als: "Noch einmal eine Gruppe ! Noch mal eine Gruppe !" Oder sonst: "Lachen ! Lachen !" Nach einer Stunde Sonnenbad gingen wir ins Wasser, wo wir die schönsten Stunden verlebten. Nach dem Baden gingen wir in eine Pension zum Mittagessen. Den Nachmittag verbrachten wir meistens in den Dünen und sonnten uns.

Eines Tages kletterten wir auf den Leuchtturm. 235 Stufen mußten wir steigen, ehe wir oben anlangten. Hier hatten wir eine herrliche Aussicht. Weit in der Ferne erblickten wir viele Dampfer. Der Rauch, der aus den Schornsteinen stieg, sah wie ein dünner Faden aus. Wenn man zur See geht, so darf man nicht versäumen, die Segelbootfahrt zu machen. Unser Wunsch sollte auch bald erfüllt werden. Wohlgemut stiegen wir eines Tages in ein Segelboot ein. Die See war etwas unruhig, ab und zu kam eine kleine Welle neugierig ins Boot gestürzt. Auch wurden viele seekrank, die sich nachher freuten, als sie wieder festes Land unter den Füßen hatten. Die Fahrt war schön, wenn wir auch zuweilen etwas Angst ausgestanden hatten.

So ging es von einem Tag zum andern. Leider sind diese herrlichen Tage zu schnell vergangen. Alle waren traurig gestimmt, als wir wieder von der herrlichen Insel Norderney Abschied nehmen mußten.
 
Wilhelmine Krämer.

Notiz:
 
Die 16-jährige Ruth Kappel war 1928 Lehrling in der neueingerichteten Textil-Lehrwerkstatt an der Kikuth-Straße. Sie machte die Nordseereise in der zweiten Gruppe mit.
 
Über die damals schon sehr fortschrittliche Jugendbetreuung bei der Firma Bemberg, aber auch über die bescheidenen Verhältnisse in einer derzeitigen Jugendherberge gibt der Aufsatz der mitgefahrenen Ausbilderin Auskunft.


Quelle: L