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Wupper-Report
Zeitung der DKP für Wuppertal
Sonderausgabe
Solidarität mit der Belegschaft des Enka-Werkes (Bemberg) in Barmen !
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Betriebsstillegungen, Massenentlassungen und Kurzarbeit
gehören fast schon zum Alltagsbild. unserer Stadt. Tausende Wuppertaler Arbeiter und Angestellte wurden in
den letzten Monaten davon betroffen.
Erinnert sei hier nur an einige der bekanntesten Groß- und Mittelbetriebe, die durch Betriebsstillegung oder
größere Entlassungen zur hohen Arbeitslosenzahl in Wuppertal beigetragen haben:
- Fahrzeugbau Eylert, konkurs,
- Hoesch-Trierer Walzwerk, stillgelegt
- Ketten-Kutter, konkurs
- Kugelfischer (Jaeger), größere Entlassungen
- Wäschereikette Malerus, konkurs
- Textil-Gebhard, stillgelegt
- Enka-Glanzstoff. Teilstillegungen und Massenentlassungen.
Und der zuletzt genannte Konzern, Enka, plant einen neuen Großangriff auf die Arbeitsplätze seiner Wuppertaler
Werke.
Enka-Glanzstoff gehört zu der multinationalen Akzo-Konzerngruppe. Ihre Bosse geben geradezu ein Musterbeispiel
dafür, wie Großunternehmen ausschließlich profitorientiert geführt werden, ohne jegliche
Rücksicht auf die Arbeitsplätze und somit auf die soziale Existenz von Arbeitern und Angestellten und
ihren Familien.
Was ereignet sich bei Enka ? Das Barmer Werk des Enka-Konzerns (vormals Bemberg) sollte bereits 1972 total stillgelegt
werden. Diese Pläne der Konzernleitung wurden durch konsequente Kampfaktionen der Belegschaft verhindert (siehe
dazu Innenseiten).
Jetzt, knapp sechs Jahre später, wollen die Konzernbosse ihre Pläne endgültig durchsetzen. Zunächst
soll die Perlonproduktion im Barmer Werk eingestellt werden. Diese Produktion soll an einem Ort konzentriert werden,
vorgesehen ist Emmen/Holland. Da dort die Arbeitslosenquote noch höher ist als in Wuppertal, versprechen sich
die Konzernbosse dort noch höhere Profite, weil man die hohe Arbeitslosenquote mißbrauchen kann, um
auf die Löhne und Gehälter zu drücken.
Im Barmer Werk wären davon mindestens 500 Kolleginnen und Kollegen betroffen. Anzunehmen ist allerdings, daß
diese Teilstillegung nur ein erster Schritt zur völligen Aufgabe der Wuppertaler Enka-Betriebe sein soll.
Denn wenn die Belegschaft im Barmer Werk erst einmal um die Hälfte reduziert sein wird, dann haben mit Sicherheit
auch die anderen Produktionsbereiche und die Verwaltung in Wuppertal keine große Zukunft mehr. Das heißt,
daß insgesamt über 2.000 Arbeitsplätze in Wuppertal gefährdet sind.
Die Konzernleitung hat mehrfach versucht, dieses Problem herabzuspielen. „Die endgültigen Entscheidungen sind
noch nicht gefallen“, beschwichtigt die Konzernleitung.
Die Belegschaft von Enka und ihr Betriebsrat müssen sich jedoch darauf einstellen, auch diesmal um den Erhalt
ihrer Arbeitsplätze zu kämpfen. Belegschaftsmitglieder des Barmer Enka-Werkes bekundeten bereits ihre
Bereitschaft, gemeinsam mit ihren holländischen Kollegen die Arbeitsplätze zu verteidigen.
Dazu brauchen die Kolleginnen und Kollegen von Enka die volle Solidarität der Wuppertaler Bürger. Denn
der Kampf um den Erhalt aller Arbeitsplätze bei Enka bedeutet zugleich Kampf gegen eine weitere Verschlechterung
der wirtschaftlichen und sozialen Lage in dieser Stadt !
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Heinz Wohlert
Kreisvorsitzender
der DKP Wuppertal
Liebe Mitbürger !
Was sich Stadtrat und Verwaltung seit Jahren mit der Enka-Glanzstoff-Belegschaft leisten ist rundherausgesagt ein
Skandal. Da werden im Laufe von 5 Jahren ca. 2000 Arbeitsplätze auf dem Profitaltar des Enka-Konzerns geopfert.
Der Stadt gingen Unsummen an Gewerbe-, Umsatz und Lohnsummensteuer verloren, doch der Stadtrat schwieg.
Da sollen jetzt, wenn es nach dem Willen des Enka-Vorstandes geht, durch die Stillegung der Perlonproduktion weitere
500 Arbeiter und Angestellte „über die Wupper gehen“ und ihre Existenz verlieren; doch der Stadtrat schweigt
weiter !
Angesichts der Lage, daß wir schon heute im Arbeitsamtsbezirk Wuppertal weit über 12.000 registrierte
Arbeitslose haben, hunderte von Jugendlichen nach ihrem Ausbildungs- öder Schulabschluß keinen Arbeitsplatz
finden, kann dieses Schweigen nicht mehr mit einer sogenannten „Neutralitätspflicht“, wie es Oberbürgermeister
Gurland vor einigen Jahren ausführte, begründet werden.
Hier geht es um die Interessen der Bürger dieser Stadt, nicht nur der Glanzstoff-Arbeiter. Da muß der
Stadtrat im Interesse einer echten Bürger-Vertretung nicht nur Stellung nehmen, sondern auch aktiv für
die Bürger gegen Konzerninteressen handeln ! Da muß Schluß gemacht werden mit einer Politik, die
sich ständig den Enka-Konzerninteressen beugt.
Als die Enka-Glanzstoff-Zentrale 1974 die Absicht äußerte, ihre Hauptverwaltung zu konzentrieren und
zu diesem Zwecke ein Parkhochhaus bauen wollte, erklärte sich das Planungsamt der Stadt sofort bereit die
gesamten Andienungskosten von ca. 70 Millionen DM zu übernehmen, zulasten des Steuerzahlers. Unter dem Eindruck
der erpresserischen Drohung des Konzerns, ansonsten seine Verwaltung aus Wuppertal zu verlagern, fand sich im gesamten
Stadtrat kein Abgeordneter der auch nur einen Hauch von Protest aussprach.
Es zeigt eich also, wenn es um Konzerninteressen geht ist man sehr schnell bereit entgegenzukommen, geht es jedoch
um Arbeiter- und Bürgerinteressen zieht man es vor, sich durch Schweigen der Verantwortung zu entziehen.
Wir tragen deshalb erneut an den Rat der Stadt Wuppertal die Forderungen heran:
- sich in einer Sondersitzung mit der Arbeitsplatzsituation
in Wuppertal und insbesondere mit den Stillegungsplänen
bei Enka zu beschäftigen,
- alle gesetzlichen Möglichkeiten auszuschöpfen,
um die
Arbeitsplätze bei Glanzstoff zu sichern,
- sich angesichts des Machtmißbrauchs des Konzerns
mit
der Forderung an die Landesregierung zu wenden, daß die
entsprechenden Artikel 24, 26 und 27 der Landesverfassung
von NRW zur Anwendung kommen !
Mit freundlichen Grüßen
Heinz Wohlert
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1972: Die Stillegungspläne wurden verhindert
Schon im Jahr 1972 versuchte die Enka-Konzernleitung das Werk Im Osten Wuppertals zu schließen. 3000 Belegschaftsmitglieder
sollten auf die Straße gesetzt werden. Doch die Konzernleitung machte die Rechnung ohne den Wirt: Die Belegschaft
setzte sich zur Wehr und trat gemeinsam mit den Kollegen des Enka-Werkes Breda in Holland in den Streik. Die Enka-Bosse
wurden gezwungen einen Rückzieher machen. Die Stillegung wurde verhindert.
Hier noch einmal kurz, der Ablauf: Im Frühjahr 1972 teilte der Vorstand in einem Rundschreiben mit, daß
„zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit“ einschneidende Maßnahmen eingeleitet werden. Sprich: Weil die
Profite nicht mehr so liefen, sollten Tausende Kollegen über die Wupper gehen. Klar, daß die Arbeiter
und Angestellten an der Misere nicht schuld waren. Schuld war die Profitsucht der Konzernleitung, die in Zeiten
großer Nachfrage auf Deubel komm raus produzieren ließ und dann bei schlechterer Auftragslage zuviel
Produkte auf Lager hatte und ins Schleudern kam.
Die Kollegen von Bemberg hatten das begriffen. Nach endlosen Manövern der Enka-Bosse schmissen sie im September
1972 die Brocken hin, nachdem schon ihre Kollegen in Breda ihren Betrieb besetzt hatten. Drei Tage wurde einheitlich
gekämpft. Der Erfolg: Die Enka-Bosse zogen ihre Pläne zurück. |
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Aus aktuellem Anlaß veröffentlichen wir einen Textauszug
aus BEMBERG AKTUELL vom August 1972. Damals schrieb die DKP in ihrer Betriebszeitung:
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Am 25.6.72 wurde im Sozialgebäude von Bemberg eine Pressekonferenz durchgeführt. .... Neben dem Betriebsrat
hatte auch OB Gurland ... Gelegenheit sich zur Bemberg-Stillegung zu äußern. Gurland sagte: ... „Die
Nachricht von der Bemberg-Stillegung hat bei der Stadt Bestürzung ausgelöst. Für uns ist Bemberg
nicht nur eine Traditionsfrage. Es gibt unzählige Verbindungen des Werkes zur Wuppertaler Bevölkerung
und deshalb ist es kein Schlagwort, wenn wir von der großen Bemberg-Familie sprechen ... .“
Wir meinen, wenn Gurland von der großen Bemberg-Familie spricht, dann ist er als erster Bürger unserer
Stadt ein schlechter Familienvater. - Denn welcher Familienvater könnte es sich leisten zu dringenden Familienangelegenheiten
mit 5 Monaten Verspätung Stellung zu nehmen ?
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Soweit ein Textauszug aus der DKP-Betriebszeitung von damals.
Unser Kommentar: Was sagt der erste Bürger unserer Stadt heute ? Überhaupt nichts mehr, oder ? |
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Wuppertaler Bürger meinen ...
Viele Wuppertaler äußerten schon ihren Unmut über die Arbeitsplatzvernichtungspläne der Enka-Konzernleitung.
Direkt nach Bekanntwerden dieser Pläne sandte der Kreisvorstand der DKP Wuppertal Eine Solidaritätserklärung
an den Enka-Betriebsrat. Ebenso verurteilte auch die Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (Afa) der
Wuppertaler SPD die Konzernabsichten. Meinungen weiterer Wuppertaler Bürger lesen Sie nachstehend.
Walter Schmitz, Betriebsrat:
„Was sich die Konzernherren bei Enka-Glanzstoff seit Jahren leisten ist einfach eine Schweinerei. Sie gehen mit
der Belegschaft um, wie mit dem letzten Dreck. 1972 hat die Konzernleitung die richtige Antwort erhalten und diese
Herren sollten sich nicht wundern, wenn es diesmal ganz ähnlich kommt.“
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Willi Oberhaus. Metallarbeiter u. Betriebsrat:
„Bemberg, heute Enka, ist ja schon ein Stück Tradition dieser Stadt. Es muß alles dafür getan werden,
daß die Arbeitsplätze der dortigen Kolleginnen und Kollegen erhalten bleiben. Ich finde es empörend,
daß sich der Stadtrat dazu überhaupt nicht regt.“
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Siegfried Dähler, Setzer und Betriebsrat:
„Den Kolleginnen und Kollegen muß die volle Solidarität aller Arbeiter und Angestellten unserer Stadt
gelten. Denn die Erfahrungen im Kampf um die Erhaltung von Arbeitsplätzen zeigen, daß eine Belegschaft
die auf die Unterstützung der Öffentlichkeit zählen kann, beste Voraussetzungen hat, um ihre Arbeitsplätze
zu verteidigen !“
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Hartmut Kissing, Setzer und Betriebsrat:
„Ich glaube, im Namen vieler Beschäftigten der Druckindustrie sprechen zu können, nenn ich Euch im Mampf
um den Erhalt Eurer Arbeitsplätze viel Erfolg wünsche. In dieser Zeit, in der im Namen des Fortschritts
tausende von Arbeitsplätzen vernichtet werden oder aus reiner Profitsucht Betriebe stillgelegt oder Arbeitsplätze
wegrationalisiert werden, hilft nur das gemeinsame Handeln der Arbeiter und Angestellten.“
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Hans-Joachim Klein, Betriebsrat:
„1972 zeigte die Belegschaft von Bemberg den Konzernherren von Enka-Glanzstoff, daß man der Vernichtung von
Arbeitsplätzen nicht tatenlos zuschaut. Die Stilllegungspläne mußten damals zurückgenommen
werden. Einen solchen Erfolg wünsche ich den Kolleginnen und Kollegen auch jetzt wieder. Angesichts der großen
Arbeitslosigkeit in Wuppertal muß die gesamte Wuppertaler Bevölkerung wie ein Mann hinter der betroffenen
Belegschaft stehen. Denn was heute Enka betrifft, kann morgen jeden Betrieb in Wuppertal betreffen.“
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Dieter Rymark, Bauarbeiter:
„Die Absichten der Geschäftsleitung von Enka sind eine Schweinerei. Jetzt muß endlich auch der Stadtrat
einmal Flagge zeigen. Den Kollegen von Enka gehört alle Unterstützung.“ |
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DKP = Deutsche Komunistische Partei
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