History informations - J. P. Bemberg (48)

Wupper-Report - Newspaper of the DKP Wuppertal

 

o1
 

o2
 

o3
 

o4
 

 
 

o1
 

Teilansicht der 4-seitigen Zeitung, herausgegeben 1978
 

o2
  

Enka-Glanzstoff-Werk Barmen (Bemberg)
 

o3
 

Die Bemberger 1972
 

o4
 

Faksimile oben: Extrablatt der DKP-Betriebszeitung für Bemberg, das nach dem erfolgreichen Kampf 1972 vor Bemberg verteilt wurde.


Wupper-Report
 
Zeitung der DKP für Wuppertal
 
Sonderausgabe
 
Solidarität mit der Belegschaft des Enka-Werkes (Bemberg) in Barmen !
 

Betriebsstillegungen, Massenentlassungen und Kurzarbeit gehören fast schon zum Alltagsbild. unserer Stadt. Tausende Wuppertaler Arbeiter und Angestellte wurden in den letzten Monaten davon betroffen.
 
Erinnert sei hier nur an einige der bekanntesten Groß- und Mittelbetriebe, die durch Betriebsstillegung oder größere Entlassungen zur hohen Arbeitslosenzahl in Wuppertal beigetragen haben:
 

  • Fahrzeugbau Eylert, konkurs,
  • Hoesch-Trierer Walzwerk, stillgelegt
  • Ketten-Kutter, konkurs
  • Kugelfischer (Jaeger), größere Entlassungen
  • Wäschereikette Malerus, konkurs
  • Textil-Gebhard, stillgelegt
  • Enka-Glanzstoff. Teilstillegungen und Massenentlassungen.

 
Und der zuletzt genannte Konzern, Enka, plant einen neuen Großangriff auf die Arbeitsplätze seiner Wuppertaler Werke.
 
Enka-Glanzstoff gehört zu der multinationalen Akzo-Konzerngruppe. Ihre Bosse geben geradezu ein Musterbeispiel dafür, wie Großunternehmen ausschließlich profitorientiert geführt werden, ohne jegliche Rücksicht auf die Arbeitsplätze und somit auf die soziale Existenz von Arbeitern und Angestellten und ihren Familien.
 
Was ereignet sich bei Enka ? Das Barmer Werk des Enka-Konzerns (vormals Bemberg) sollte bereits 1972 total stillgelegt werden. Diese Pläne der Konzernleitung wurden durch konsequente Kampfaktionen der Belegschaft verhindert (siehe dazu Innenseiten).
 
Jetzt, knapp sechs Jahre später, wollen die Konzernbosse ihre Pläne endgültig durchsetzen. Zunächst soll die Perlonproduktion im Barmer Werk eingestellt werden. Diese Produktion soll an einem Ort konzentriert werden, vorgesehen ist Emmen/Holland. Da dort die Arbeitslosenquote noch höher ist als in Wuppertal, versprechen sich die Konzernbosse dort noch höhere Profite, weil man die hohe Arbeitslosenquote mißbrauchen kann, um auf die Löhne und Gehälter zu drücken.
 
Im Barmer Werk wären davon mindestens 500 Kolleginnen und Kollegen betroffen. Anzunehmen ist allerdings, daß diese Teilstillegung nur ein erster Schritt zur völligen Aufgabe der Wuppertaler Enka-Betriebe sein soll. Denn wenn die Belegschaft im Barmer Werk erst einmal um die Hälfte reduziert sein wird, dann haben mit Sicherheit auch die anderen Produktionsbereiche und die Verwaltung in Wuppertal keine große Zukunft mehr. Das heißt, daß insgesamt über 2.000 Arbeitsplätze in Wuppertal gefährdet sind.
 
Die Konzernleitung hat mehrfach versucht, dieses Problem herabzuspielen. „Die endgültigen Entscheidungen sind noch nicht gefallen“, beschwichtigt die Konzernleitung.
 
Die Belegschaft von Enka und ihr Betriebsrat müssen sich jedoch darauf einstellen, auch diesmal um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze zu kämpfen. Belegschaftsmitglieder des Barmer Enka-Werkes bekundeten bereits ihre Bereitschaft, gemeinsam mit ihren holländischen Kollegen die Arbeitsplätze zu verteidigen.
 
Dazu brauchen die Kolleginnen und Kollegen von Enka die volle Solidarität der Wuppertaler Bürger. Denn der Kampf um den Erhalt aller Arbeitsplätze bei Enka bedeutet zugleich Kampf gegen eine weitere Verschlechterung der wirtschaftlichen und sozialen Lage in dieser Stadt !


Heinz Wohlert
Kreisvorsitzender
der DKP Wuppertal
 
 
Liebe Mitbürger !
 
Was sich Stadtrat und Verwaltung seit Jahren mit der Enka-Glanzstoff-Belegschaft leisten ist rundherausgesagt ein Skandal. Da werden im Laufe von 5 Jahren ca. 2000 Arbeitsplätze auf dem Profitaltar des Enka-Konzerns geopfert. Der Stadt gingen Unsummen an Gewerbe-, Umsatz und Lohnsummensteuer verloren, doch der Stadtrat schwieg.
 
Da sollen jetzt, wenn es nach dem Willen des Enka-Vorstandes geht, durch die Stillegung der Perlonproduktion weitere 500 Arbeiter und Angestellte „über die Wupper gehen“ und ihre Existenz verlieren; doch der Stadtrat schweigt weiter !
 
Angesichts der Lage, daß wir schon heute im Arbeitsamtsbezirk Wuppertal weit über 12.000 registrierte Arbeitslose haben, hunderte von Jugendlichen nach ihrem Ausbildungs- öder Schulabschluß keinen Arbeitsplatz finden, kann dieses Schweigen nicht mehr mit einer sogenannten „Neutralitätspflicht“, wie es Oberbürgermeister Gurland vor einigen Jahren ausführte, begründet werden.
 
Hier geht es um die Interessen der Bürger dieser Stadt, nicht nur der Glanzstoff-Arbeiter. Da muß der Stadtrat im Interesse einer echten Bürger-Vertretung nicht nur Stellung nehmen, sondern auch aktiv für die Bürger gegen Konzerninteressen handeln ! Da muß Schluß gemacht werden mit einer Politik, die sich ständig den Enka-Konzerninteressen beugt.
 
Als die Enka-Glanzstoff-Zentrale 1974 die Absicht äußerte, ihre Hauptverwaltung zu konzentrieren und zu diesem Zwecke ein Parkhochhaus bauen wollte, erklärte sich das Planungsamt der Stadt sofort bereit die gesamten Andienungskosten von ca. 70 Millionen DM zu übernehmen, zulasten des Steuerzahlers. Unter dem Eindruck der erpresserischen Drohung des Konzerns, ansonsten seine Verwaltung aus Wuppertal zu verlagern, fand sich im gesamten Stadtrat kein Abgeordneter der auch nur einen Hauch von Protest aussprach.
 
Es zeigt eich also, wenn es um Konzerninteressen geht ist man sehr schnell bereit entgegenzukommen, geht es jedoch um Arbeiter- und Bürgerinteressen zieht man es vor, sich durch Schweigen der Verantwortung zu entziehen.
 
Wir tragen deshalb erneut an den Rat der Stadt Wuppertal die Forderungen heran:
 

  • sich in einer Sondersitzung mit der Arbeitsplatzsituation
    in Wuppertal und insbesondere mit den Stillegungsplänen
    bei Enka zu beschäftigen,
     
  • alle gesetzlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um die
    Arbeitsplätze bei Glanzstoff zu sichern,
      
  • sich angesichts des Machtmißbrauchs des Konzerns mit
    der Forderung an die Landesregierung zu wenden, daß die
    entsprechenden Artikel 24, 26 und 27 der Landesverfassung
    von NRW zur Anwendung kommen !

 
Mit freundlichen Grüßen
Heinz Wohlert


1972: Die Stillegungspläne wurden verhindert
 
Schon im Jahr 1972 versuchte die Enka-Konzernleitung das Werk Im Osten Wuppertals zu schließen. 3000 Belegschaftsmitglieder sollten auf die Straße gesetzt werden. Doch die Konzernleitung machte die Rechnung ohne den Wirt: Die Belegschaft setzte sich zur Wehr und trat gemeinsam mit den Kollegen des Enka-Werkes Breda in Holland in den Streik. Die Enka-Bosse wurden gezwungen einen Rückzieher machen. Die Stillegung wurde verhindert.
 
Hier noch einmal kurz, der Ablauf: Im Frühjahr 1972 teilte der Vorstand in einem Rundschreiben mit, daß „zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit“ einschneidende Maßnahmen eingeleitet werden. Sprich: Weil die Profite nicht mehr so liefen, sollten Tausende Kollegen über die Wupper gehen. Klar, daß die Arbeiter und Angestellten an der Misere nicht schuld waren. Schuld war die Profitsucht der Konzernleitung, die in Zeiten großer Nachfrage auf Deubel komm raus produzieren ließ und dann bei schlechterer Auftragslage zuviel Produkte auf Lager hatte und ins Schleudern kam.
 
Die Kollegen von Bemberg hatten das begriffen. Nach endlosen Manövern der Enka-Bosse schmissen sie im September 1972 die Brocken hin, nachdem schon ihre Kollegen in Breda ihren Betrieb besetzt hatten. Drei Tage wurde einheitlich gekämpft. Der Erfolg: Die Enka-Bosse zogen ihre Pläne zurück.

Aus aktuellem Anlaß veröffentlichen wir einen Textauszug aus BEMBERG AKTUELL vom August 1972. Damals schrieb die DKP in ihrer Betriebszeitung:
---------------------------
 
Am 25.6.72 wurde im Sozialgebäude von Bemberg eine Pressekonferenz durchgeführt. .... Neben dem Betriebsrat hatte auch OB Gurland ... Gelegenheit sich zur Bemberg-Stillegung zu äußern. Gurland sagte: ... „Die Nachricht von der Bemberg-Stillegung hat bei der Stadt Bestürzung ausgelöst. Für uns ist Bemberg nicht nur eine Traditionsfrage. Es gibt unzählige Verbindungen des Werkes zur Wuppertaler Bevölkerung und deshalb ist es kein Schlagwort, wenn wir von der großen Bemberg-Familie sprechen ... .“
 
Wir meinen, wenn Gurland von der großen Bemberg-Familie spricht, dann ist er als erster Bürger unserer Stadt ein schlechter Familienvater. - Denn welcher Familienvater könnte es sich leisten zu dringenden Familienangelegenheiten mit 5 Monaten Verspätung Stellung zu nehmen ?
 
---------------------------
Soweit ein Textauszug aus der DKP-Betriebszeitung von damals.

Unser Kommentar: Was sagt der erste Bürger unserer Stadt heute ? Überhaupt nichts mehr, oder ?

Wuppertaler Bürger meinen ...

Viele Wuppertaler äußerten schon ihren Unmut über die Arbeitsplatzvernichtungspläne der Enka-Konzernleitung. Direkt nach Bekanntwerden dieser Pläne sandte der Kreisvorstand der DKP Wuppertal Eine Solidaritätserklärung an den Enka-Betriebsrat. Ebenso verurteilte auch die Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (Afa) der Wuppertaler SPD die Konzernabsichten. Meinungen weiterer Wuppertaler Bürger lesen Sie nachstehend.

Walter Schmitz, Betriebsrat:
„Was sich die Konzernherren bei Enka-Glanzstoff seit Jahren leisten ist einfach eine Schweinerei. Sie gehen mit der Belegschaft um, wie mit dem letzten Dreck. 1972 hat die Konzernleitung die richtige Antwort erhalten und diese Herren sollten sich nicht wundern, wenn es diesmal ganz ähnlich kommt.“
- - - - - -
Willi Oberhaus. Metallarbeiter u. Betriebsrat:
„Bemberg, heute Enka, ist ja schon ein Stück Tradition dieser Stadt. Es muß alles dafür getan werden, daß die Arbeitsplätze der dortigen Kolleginnen und Kollegen erhalten bleiben. Ich finde es empörend, daß sich der Stadtrat dazu überhaupt nicht regt.“
- - - - - -
Siegfried Dähler, Setzer und Betriebsrat:
„Den Kolleginnen und Kollegen muß die volle Solidarität aller Arbeiter und Angestellten unserer Stadt gelten. Denn die Erfahrungen im Kampf um die Erhaltung von Arbeitsplätzen zeigen, daß eine Belegschaft die auf die Unterstützung der Öffentlichkeit zählen kann, beste Voraussetzungen hat, um ihre Arbeitsplätze zu verteidigen !“
- - - - - -
Hartmut Kissing, Setzer und Betriebsrat:
„Ich glaube, im Namen vieler Beschäftigten der Druckindustrie sprechen zu können, nenn ich Euch im Mampf um den Erhalt Eurer Arbeitsplätze viel Erfolg wünsche. In dieser Zeit, in der im Namen des Fortschritts tausende von Arbeitsplätzen vernichtet werden oder aus reiner Profitsucht Betriebe stillgelegt oder Arbeitsplätze wegrationalisiert werden, hilft nur das gemeinsame Handeln der Arbeiter und Angestellten.“
- - - - - -
Hans-Joachim Klein, Betriebsrat:
„1972 zeigte die Belegschaft von Bemberg den Konzernherren von Enka-Glanzstoff, daß man der Vernichtung von Arbeitsplätzen nicht tatenlos zuschaut. Die Stilllegungspläne mußten damals zurückgenommen werden. Einen solchen Erfolg wünsche ich den Kolleginnen und Kollegen auch jetzt wieder. Angesichts der großen Arbeitslosigkeit in Wuppertal muß die gesamte Wuppertaler Bevölkerung wie ein Mann hinter der betroffenen Belegschaft stehen. Denn was heute Enka betrifft, kann morgen jeden Betrieb in Wuppertal betreffen.“
- - - - - -
Dieter Rymark, Bauarbeiter:
„Die Absichten der Geschäftsleitung von Enka sind eine Schweinerei. Jetzt muß endlich auch der Stadtrat einmal Flagge zeigen. Den Kollegen von Enka gehört alle Unterstützung.“

DKP = Deutsche Komunistische Partei


Quelle: XXXVIII