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„Vom Weinfaß zum Spinntrichter“ könnte man die Firmengeschichte
dieses weltbekannten Unternehmens überschreiben, denn 1792 gründete Johann Peter Bemberg „Auf der Vikarie“,
später Hofkamp genannt, eine Weinhandlung. Allerdings hieß sein Geschäft schon 1794 „Farbhandlung“
und 1838, als dieser bedeutende Mann verstarb, der heute zu den namhaftesten bergischen Wirtschaftspionieren gezählt
wird, war die Firma Bemberg zum größten Teil schon ein Produktionsunternehmen. In drei Häusern
nahe der Wupper wurde Baumwolle mit Krapp türkischrot gefärbt. Johann Peter Bembergs Schwiegersohn, Friedrich
Platzhoff, war um die Mitte des vorigen Jahrhunderts die Seele des Geschäftes. Der einzige Sohn des Firmengründers,
Julius August Bemberg, starb schon 1847 im Alter von erst 43 Jahren.
Im Jahre 1865 verlegte Friedrich Adolf Platzhoff, der älteste der vier Söhne Friedrich Platzhoffs, die
drei Färbereibetriebe unweit der Hofaue in Elberfeld in die Oehde bei Barmen-Rittershausen. Er baute hier
eine modern eingerichtete Färberei mit zwei Dampfmaschinen. Aus der Oehde wurden türkischrot gefärbte
Garne in die halbe Welt versandt.
Als durch die Erfindung der chemischen Farben die Monopolstellung der Türkischrot-Färbereien erschüttert
wurde, änderte sich die Lage zusehends. Der Urenkel Johann Peter Bembergs, Gustav Platzhoff, sah sich gezwungen,
für das Unternehmen eine andere Grundlage zu suchen. 1897 verschmolzen die Mechanische Buntweberei Max Triepcke
in Pferesee bei Augsburg, der Krefelder Veredlungsbetrieb Thomas & Prevost und die Stückfärberei
Ferdinand Mommer in Barmen mit der von der Firma J. P. Bemberg in der Oehde betriebenen Türkischrot-Färberei
zu einer Aktiengesellschaft. In allen Abteilungen und Filialen blieb man weiterhin der Baumwolle treu. Im Tal der
Wupper wurde sie gefärbt, in Krefeld erhielt sie durch ein besonderes Verfahren vornehmen Seidenglanz, in
Augsburg wurde sie verwebt.
Dr. Schreiner, Generaldirektor der jungen Aktiengesellschaft, verpflichtete 1900 Dr. Thiele, einen jungen begabten
Chemiker. Dieser Forscher löste die Baumwolle in einer aus Kupfersalz, Ammoniak und Wasser bestehenden Flüssigkeit
auf. Die blaue zähflüssige Masse, die er gewann, wurde durch eine Düse in ein Fällbad gedrückt.
Hierbei wurden Kupfersalz und Ammoniak wieder ausgeschieden. Ein endloser Faden - aus Baumwolle geboren - blieb
zurück. Er war glatt und von der echten Seide kaum zu unterscheiden. Es war ein historischer Augenblick, als
die Augsburger Filiale 1905 mit ihrer Kollektion zum ersten Mal ein Gewebe aus Kupferkunstseide vorlegte.
Der Oehder Betrieb wurde in den zwanziger Jahren zu einer großen Spinnerei ausgebaut. In Italien, den USA,
Frankreich, England und selbst in Japan entstanden Bemberg-Werke. Trumpf wurde der Bemberg-Strumpf. Gewebe für
duftige Sommerkleider, Gewirke für feine Damenwäsche aus Bemberg, die damals neu auf dem Markt erschienen,
sind heute noch immer so begehrt wie einst. Nach demselben Verfahren, nach dem der Faden gesponnen wird, wird seit
1932 im Oehder Werk auch Zellglas gegossen. Somit werden die Bemberg-Textilien auch in Bemberg-Zellglas verpackt
! Aber auch manch anderer geschmackvoll bedruckter Zellglasbeutel, der andere Waren enthält, stammt aus den
Produktionsstätten der J. P. Bemberg Aktiengesellschaft.
Der Unternehmergeist der Bemberg-Kaufleute, -Chemiker und -Techniker wurde nicht gebrochen, als das Oehder Werk
1945 durch Kriegseinwirkung in einer halben Stunde in Schutt und Asche gelegt wurde. In aus Trümmern neuerstandenen
Produktionshallen werden heute nach einem schon während des letzten Krieges entwickelten Verfahren kontinuierlich
Teilketten gesponnen. Durch dieses Verfahren hat besonders die weiterverarbeitende Textilindustrie erhebliche Vorteile
zu verzeichnen.
Rückschauend darf man schon behaupten: es war ein weiter Weg vom Wein bis zur Kunstseide und zum Zellglas,
der den ganzen Einsatz aller Beteiligten erforderte. |
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