History informations - J. P. Bemberg (45)

J. P. BEMBERG A.G., WUPPERTAL-OBERBARMEN

 

 

 
 

o1
 

 
 

o2
 

 
 

o1
 

So sah es in der Oehde an der Straße von Barmen nach Beyenburg aus, als Johann Peter Bemberg 1792 in Elberfeld seine Weinhandlung gründete. Den Garnbleichern gehörten die Wupperwiesen.
 

o2
 

Wo einst der auf dem anderen Bild erkennbare Garnkasten stand, erheben sich heute die Produktionsstätten der J. P. Bemberg Aktiengesellschaft.
 


„Vom Weinfaß zum Spinntrichter“ könnte man die Firmengeschichte dieses weltbekannten Unternehmens überschreiben, denn 1792 gründete Johann Peter Bemberg „Auf der Vikarie“, später Hofkamp genannt, eine Weinhandlung. Allerdings hieß sein Geschäft schon 1794 „Farbhandlung“ und 1838, als dieser bedeutende Mann verstarb, der heute zu den namhaftesten bergischen Wirtschaftspionieren gezählt wird, war die Firma Bemberg zum größten Teil schon ein Produktionsunternehmen. In drei Häusern nahe der Wupper wurde Baumwolle mit Krapp türkischrot gefärbt. Johann Peter Bembergs Schwiegersohn, Friedrich Platzhoff, war um die Mitte des vorigen Jahrhunderts die Seele des Geschäftes. Der einzige Sohn des Firmengründers, Julius August Bemberg, starb schon 1847 im Alter von erst 43 Jahren.
 
Im Jahre 1865 verlegte Friedrich Adolf Platzhoff, der älteste der vier Söhne Friedrich Platzhoffs, die drei Färbereibetriebe unweit der Hofaue in Elberfeld in die Oehde bei Barmen-Rittershausen. Er baute hier eine modern eingerichtete Färberei mit zwei Dampfmaschinen. Aus der Oehde wurden türkischrot gefärbte Garne in die halbe Welt versandt.
 
Als durch die Erfindung der chemischen Farben die Monopolstellung der Türkischrot-Färbereien erschüttert wurde, änderte sich die Lage zusehends. Der Urenkel Johann Peter Bembergs, Gustav Platzhoff, sah sich gezwungen, für das Unternehmen eine andere Grundlage zu suchen. 1897 verschmolzen die Mechanische Buntweberei Max Triepcke in Pferesee bei Augsburg, der Krefelder Veredlungsbetrieb Thomas & Prevost und die Stückfärberei Ferdinand Mommer in Barmen mit der von der Firma J. P. Bemberg in der Oehde betriebenen Türkischrot-Färberei zu einer Aktiengesellschaft. In allen Abteilungen und Filialen blieb man weiterhin der Baumwolle treu. Im Tal der Wupper wurde sie gefärbt, in Krefeld erhielt sie durch ein besonderes Verfahren vornehmen Seidenglanz, in Augsburg wurde sie verwebt.
 
Dr. Schreiner, Generaldirektor der jungen Aktiengesellschaft, verpflichtete 1900 Dr. Thiele, einen jungen begabten Chemiker. Dieser Forscher löste die Baumwolle in einer aus Kupfersalz, Ammoniak und Wasser bestehenden Flüssigkeit auf. Die blaue zähflüssige Masse, die er gewann, wurde durch eine Düse in ein Fällbad gedrückt. Hierbei wurden Kupfersalz und Ammoniak wieder ausgeschieden. Ein endloser Faden - aus Baumwolle geboren - blieb zurück. Er war glatt und von der echten Seide kaum zu unterscheiden. Es war ein historischer Augenblick, als die Augsburger Filiale 1905 mit ihrer Kollektion zum ersten Mal ein Gewebe aus Kupferkunstseide vorlegte.
 
Der Oehder Betrieb wurde in den zwanziger Jahren zu einer großen Spinnerei ausgebaut. In Italien, den USA, Frankreich, England und selbst in Japan entstanden Bemberg-Werke. Trumpf wurde der Bemberg-Strumpf. Gewebe für duftige Sommerkleider, Gewirke für feine Damenwäsche aus Bemberg, die damals neu auf dem Markt erschienen, sind heute noch immer so begehrt wie einst. Nach demselben Verfahren, nach dem der Faden gesponnen wird, wird seit 1932 im Oehder Werk auch Zellglas gegossen. Somit werden die Bemberg-Textilien auch in Bemberg-Zellglas verpackt ! Aber auch manch anderer geschmackvoll bedruckter Zellglasbeutel, der andere Waren enthält, stammt aus den Produktionsstätten der J. P. Bemberg Aktiengesellschaft.
  
Der Unternehmergeist der Bemberg-Kaufleute, -Chemiker und -Techniker wurde nicht gebrochen, als das Oehder Werk 1945 durch Kriegseinwirkung in einer halben Stunde in Schutt und Asche gelegt wurde. In aus Trümmern neuerstandenen Produktionshallen werden heute nach einem schon während des letzten Krieges entwickelten Verfahren kontinuierlich Teilketten gesponnen. Durch dieses Verfahren hat besonders die weiterverarbeitende Textilindustrie erhebliche Vorteile zu verzeichnen.
 
Rückschauend darf man schon behaupten: es war ein weiter Weg vom Wein bis zur Kunstseide und zum Zellglas, der den ganzen Einsatz aller Beteiligten erforderte.


Quelle: XXXV