History informations - J. P. Bemberg (42)

Bemberg and near 3000 jobs are saved

 

 
 

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Die Nachricht ist da, Bemberg und fast 3000 Arbeitsplätze sind gerettet! Albert Langwieler, der Betriebsratsvorsitzende, wird von einem Düsseldorfer IG-Chemie-Kollegen umarmt, rechts der damalige Wuppertaler SPD-Vorsitzende Gerd Scholz, in der Mitte der Wuppertaler DGB-Vorsitzende Heino Ahr.


Bleibende Verdienste um die heimische Wirtschaft. Da muß es jemandem buchstäblich „in den Ohren klingeln“, dessen Verdienste als Gewerkschafter eben jener heimischen Wirtschaft zugute kamen, die in dem Schreiben an Ernst Schüssler hervorgehoben wurde. Albert Langwieler wurde im Jahr des 70. Geburtstages von Ernst Schüssler Vorsitzender der Industriegewerkschaft Chemie in Wuppertal, nachdem er bereits seit 1959 Betriebsratsvorsitzender bei Bemberg war, als Arbeitnehmervertreter Mitglied des Aufsichtsrates der Bemberg AG und der Glanzstoff AG.
 
Am 6. April 1972 gab die Konzernleitung bekannt, daß die Firma Bemberg stillgelegt werden solle. Betroffen waren fast 3 000 Mitarbeiter und ihre Familien. Doch Albert Langwieler hat nicht eine Minute gezögert, als es darum ging, die Alternativen Erhaltung des Werkes oder Sozialplan für die Mitarbeiter zu überdenken. Albert Langwielers Devise: „Das Werk muß erhalten bleiben!“ Der zum holländischen Akzo-Konzern gehörenden Enka Glanzstoff AG gehörte (und gehört) ihrerseits die Firma J. P. Bemberg. Ihr galt von April 1972 an das öffentliche Interesse schon deshalb, weil sich ein Arbeitskampf abzeichnete, der im Zeitalter multinationaler Konzerne erstmals international zu organisieren und durchzuführen war. Holländische Arbeitnehmer, belgische Arbeitnehmer, sie waren genauso betroffen wie ihre deutschen Kollegen, und im Jahr der ersten allgemeinen Wahl zum europäischen Parlament gewinnt jene Auseinandersetzung von 1972 neue, aktuelle Bedeutung.
 
In Breda besetzten Betriebsrat und Beschäftigte, als Betroffene eines ebenfalls von der Stillegung gezeichneten Betriebs, die Werksanlagen. Albert Langwieler war dabei, als bei einer Demonstration am 6. Mai 1972 in Breda die ganze Stadt auf den Beinen war, eine Stadt, die mit 6 Prozent Arbeitslosen ohnehin gebeutelt war von der damaligen Rezession. Die Wuppertaler bezeugten ihre Solidarität mit den holländischen Kollegen, und alle waren sich einig, daß diese Auseinandersetzung nur international zu lösen war. Und sie wurde gelöst.
 
Soeben hatte man die Entscheidung zur Arbeitsniederlegung gefällt, standen im „Werk Barmen“ der Enka AG seit dem Mittag des 19. September alle Räder still, als am 21. September den Gewerkschaftstag der Industriegewerkschaft Chemie in Dortmund eine Eilmeldung der Deutschen Presseagentur erreichte: Die niederländische Akzo AG habe zurückgezogen und unter dem massiven Druck der Arbeitnehmer und der öffentlichen Meinung die Stillegungspläne fallengelassen. Bei Bemberg (Langwieler: „Wir wollten ja auch den Namen erhalten!“) spielten sich unbeschreibliche Szenen ab, der Betrieb stand kopf. Albert Langwieler: „Ich hatte geglaubt, ich wüßte, was Solidarität bedeutet. Was ich aber in diesen Tagen erlebte, hat mir einen neuen Begriff von Solidarität vermittelt.“
 
Albert Langwieler blieb bis über seine Pension hinaus beim alten Werk Bemberg, um „alles unter Dach und Fach zu bringen“. Inzwischen war er als sozialdemokratischer Stadtverordneter ins Wuppertaler Gemeindeparlament eingezogen. „Albert, es wird Zeit.“
 
So hatten Freunde es 1957 gesagt. Albert Langwieler kandidiert auch im Jubiläumsjahr 1979 erneut für Wuppertals Stadtrat. Wuppertal und Europa - das hat für ihn eine handfeste Dimension. Albert Langwielers Beitrag zur sozialdemokratischen Geschichte der 50jährigen Stadt Wuppertal steht für sich, weil sich Arbeitnehmerpolitik, Solidarität, europäische Solidarität, kommunale Wirtschaftspolitik mit dem persönlichen Werdegang eines Mannes verbinden, der mit Hermann Josef Abs im Aufsichtsrat der Enka AG diskutierte, für 3 000 Kollegen kämpfte, gleichzeitig aber für die Stadt, und, wenn sich's denn nicht allzu pathetisch ausmacht, für die internationale Arbeitnehmerschaft überhaupt.
 
„Noch sind wir da!“ hieß das Taschenbuch, das Langwieler herausgab, als alles vorbei war. Wir sind da. Augenzeugen und Zeitgenossen stehen für dieses Versprechen.


Quelle: XXXVI