|
KAISERLICHES PATENTAMT
PATENTSCHRIFT
Nr. 162866
KLASSE 29b.
J. P. BEMBERG AKT.-GES. IN BARMEN-RITTERSHAUSEN
Verfahren zur Herstellung von im Ammoniak löslichen Zelluloseprodukten.
Patentiert im Deutschen Reiche vom 29. September 1900 an.
|
Das vorliegende Verfahren zur Herstellung ammoniaklöslicher
Zelluloseprodukte besteht im wesentlichen darin, Zellulosematerial mit metallischem Kupfer (Zementkupfer) innig
zu mischen und letzteres sodann auf der Zellulose in Hydrat überzuführen. Diese Überführung
kann z. B. in der Weise erfolgen, daß man die Zellulose-Kupfermischung mit Kupfervitriol, Chloralkali und
wenig Wasser behandelt und das erhaltene grüne basische Kupfersalz durch Alkali in Hydrat überführt.
Die Hydratisierung des Kupfers geht bei diesem Verfahren beträchtlich schneller und durchgreifender vor sich
als bei Abwesenheit der Zellulose, weil die hierzu erforderliche Oxydation des Kupfers durch dessen feine Verteilung
und die der Luft dargebotene große Oberfläche beträchtlich rascher und energischer verläuft.
Eine Mercerisierung der Zellulose und eine chemische Verbindung zwischen Zellulose und Kupferhydroxyd findet hierbei
nicht statt, da die Konzentration des Alkalis bedeutend geringer sein kann, als zur Erzielung der Mercerisierwirkung
erforderlich ist. Das erhaltene, in wäßrigem Ammoniak leicht lösliche Produkt ist dementsprechend
durchaus haltbar und wasserbeständig und läßt sich daher beliebig lange ohne Einbuße an Haltbarkeit
auf Lager halten, versenden und nach Bedarf weiter verarbeiten, ganz abgesehen davon, daß das Produkt frei
von Alkalisalzen erhalten werden kann, welche bekanntermaßen die Löslichkeit der Zellulose herabsetzen,
und daß die direkte Verwertung des aus den Zersetzungsflüssigkeiten der Zelluloselösungen wiedergewonnenen
Zementkupfers gegenüber der Benutzung von Kupfersalzen eine wesentliche Vereinfachung des Betriebes darstellt.
Eine besonders wertvolle Ausführungsform des vorliegenden Verfahrens, welche die Umwandlung des Kupfers bedeutend
rascher und vollständiger ausführen gestattet als die bekannten Hydratierungsmethoden, besteht darin,
das Zellulose-Kupfergemisch mit Ammoniak, Sauerstoff (Luft) und einer noch keine Lösung der Zellulose herbeiführenden
Menge Wasser zu behandeln. Eine direkte Erzeugung von Kupferoxydammoniak - oder Zelluloselösung durch die
gegenseitige Einwirkung von Kupfer, Sauerstoff, Wasser, Ammoniak und Zellulose, wie bei den bekannten Verfahren,
findet bei diesem Verfahren wegen der benutzten geringen Wassermenge nicht statt; es entsteht vielmehr ein Zwischenprodukt,
dessen Bildung folgendermaßen zu erklären sein dürfte: Durch Einwirkung des Luftsauerstoffs und
des vorhandenen Wassers wird zunächst das Kupfer in Kupferhydroxydul überführt, was sich durch die
anfänglich entstehende gelbbraune Färbung des Gemisches zu erkennen gibt. Ohne Zuhilfenahme weiterer
Hilfsmittel würde nun die weitere Oxydation des Kupfers sehr langsam vor sich gehen. Sind dagegen Ammoniak
und ganz geringe Wassermengen zugegen, so verläuft die Oxydation sehr schnell, indem das von der Zellulose
in großen Mengen aufgesaugte und dadurch in innige Berührung mit dem Kupfer tretende Ammoniak sauerstoffübertragend
wirkt; es findet unter starker Wärmeentwicklung eine intermediäre ... |
12. Auflage, ausgegeben am 27. Dezember 1905. |
|