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Horst Bentlage
Die Geschichte von Cuprophan
Das durchsichtige Leben der Cuprophan Verpackungsfolie
Wer den Namen Cuprophan hört, der denkt an Dialysemembranen aus Wuppertal. Mit Recht, denn Cuprophan ist die
erfolgreichste Dialysemembran der Welt und das seit fast 30 Jahren. Dabei hat alles ganz anders angefangen.
1930, als Bembergseide die Weltmärkte beherrschte, wurde im gerade fertig ausgebauten Stammwerk in der Oehde
an die Versuchsabteilung der Auftrag erteilt, nach dem Bembergspinnverfahren Zellglas herzustellen. Dazu sollte
Spinnlösung verwendet werden, die für die Herstellung der Bembergseide qualitativ nicht gut genug war.
Zu der Zeit waren bereits Zellglas Verpackungsfolien auf dem Markt, die nach dem Viskoseverfahren produziert wurden.
Eine davon trug den Markennamen Zellophan. Dieser Markenname wurde zunehmend zum Gattungsbegriff, der Traum jedes
Marketingmanagers. Es gab damals drei Verfahren auf Cellulosebasis, die eine technische Bedeutung hatten: das Viskoseverfahren,
das Acetatverfahren und das Kupferoxydammoniak-Verfahren, auch Bembergverfahren genannt. Was nach dem Viskosverfahren
oder nach dem Bembergverfahren auch hergestellt wird, Fäden, Fasern oder Folien, es bleibt zurückgewonnene
Cellulose, jeweils nur in anderer Gestalt. Nach dem Acetatverfahren entsteht dagegen immer eine Verbindung der
Cellulose mit Essigsäure und daher auch kein Zellglas in reinem Sinne. Bei jedem dieser Verfahren werden andere
Chemikalien eingesetzt, um die Cellulose spinnfähig zu machen und es werden unterschiedliche Methoden benutzt,
um die Lösungsmittel wieder auszufällen.
Bemberg begann 1930 als erstes Unternehmen auf der Welt, Zellglas nach dem Kupferoxydammoniak-Verfahren herzustellen.
Dr. Hoelkeskamp leitete die Versuchsabteilung. Der Gießer für die ersten Fällversuche wurde in
der Schlosserei gefertigt, und ein Jahr später wurde nach erfolgreich verlaufenen Gießversuchen im Permutitkeller
eine größere Gießapparatur zusammengebaut. Auf dieser Anlage gelang es, Folien von größerer
Länge herzustellen. 10 m pro Minute betrug die Abzugsgeschwindigkeit. 1932 war es soweit und das erste Zellglas
wurde in Bändchenform an Schweizer Hutfabrikanten verkauft. Cuprophan wurde dieses Zellglasprodukt von Bemberg
genannt. Cuprophan hatte bemerkenswerte Eigenschaften, durch die es für den Einsatz als Verpackungsfolie besonders
geeignet war. Cuprophan war durchsichtig, weil die kleinsten Cellulosebausteine so angeordnet wurden, daß
sie das Licht fast ungehindert durchließen und kaum reflektierten. Cuprophan war - wie alles Zellglas - außerdem
wasserdampfdurchlässig und Cuprophanfolien konnten weitaus dünner hergestellt werden, als es nach den
Viskoseverfahren technisch möglich war. 1934 wurde in den Räumen der alten Spinnerei an der Wupperseite
die erste Produktionsgießmaschine gebaut.
In den Folgejahren wurden es insgesamt vier Maschinen, deren Abzugsgeschwindigkeit auf immerhin schon 30 m pro
Minute gesteigert werden konnte. Mit Produkten dieser Maschinen trat Bemberg gegen die marktbeherrschenden Zellophanfolien
an. Die wirtschaftlichen Erfolge waren anfangs eher bescheiden. 1937 wurden rund 350 t produziert. 1947 erteilte
die Militärregierung eine eingeschränkte Produktionserlaubnis für monatlich 20 t Duretaseide und
70 t Zellglas. Die Zellglasproduktion erreichte bereits 1948 wieder das Vorkriegsniveau. 1949 wurde die Entscheidung
getroffen, eine moderne Gießmaschine zu bauen. In den folgenden Jahren wurde die Cuprophanproduktion stetig
gesteigert und auch die Weiterentwicklung verstärkt. Eine tragende Säule des Unternehmens war die Folienproduktion
1950 mit rund 650 t und 15% Anteil am Gesamtumsatz aber noch nicht.
Der Durchbruch kam erst gegen Ende der 50er Jahre, als generell der Zellglasverbrauch stieg. Hauptursache war die
Zunahme der Selbstbedienungsläden. Hier konnten Klarsichtfolien verkaufen helfen. 1950 wurden in der Bundesrepublik
rund 3000 Tonnen Zellglas gegossen, gegen Ende des Jahrzehnts waren es schon 25 000 Tonnen, und in Amerika wurde
damals pro Kopf vier- bis fünfmal soviel Zellglas verbraucht wie in Europa.
Bemberg hatte die Weiterentwicklung der Verpackungsfolien nicht vernachläßigt. Der Vorstandsvorsitzende
Julius C. Funcke hatte dafür gesorgt, daß auch moderne Cuprophangießmaschinen angelaufen waren,
so daß 1957 auf insgesamt sechs Gießmaschinen produziert wurde. Auch die Folienweiterverarbeitung (Druckmaschinen,
Beutelmaschinen) hatte er vorangetrieben und die ersten Verbundfolien erweiterten das Sortiment.
1960 waren rund 30 Cuprophantypen auf dem Markt und mit der Gießmaschine 7 wurde eine weitere moderne Gießmaschine
in Betrieb genommen, die die veralteten Maschinen ablöste. Synthetische Folien waren seit 1957 dazugekommen,
und in den Folgejahren war die Folienproduktion - von konjunkturellen Schwankungen abgesehen - gut ausgelastet
und wurde durch die Gießmaschine 8 weiter modernisiert. 100 m pro Minute Abzugsgeschwindigkeit und 8,5 t
pro Tag leistete diese Maschine - gegenüber den Anfängen eine Steigerung um den Faktor 10.
Im Rahmen des Strukturplanes von 1972 wurde die Foliensparte des Werkes von dem belgischen Unternehmen UCB übernommen
und unter dem Namen Bemberg Folien GmbH weitergeführt. Die Produktion von Cuprophan Verpackungsfolien gehörte
nicht dazu. Die Gießmaschinen blieben im Werk Wuppertal der Enka Glanzstoff AG, wie das Unternehmen sich
ab 1972 nannte. Hier wurden auch weiterhin Cuprophan Verpackungsfolien im Auftrag und für die Bemberg Folien
GmbH hergestellt. 1976 kündigte die UCB diese Liefervereinbarung und offiziell wurde damit nach 44 Jahren
die Produktion der Cuprophan Verpackungsfolie beendet. Heinz Hipp sprach bei diesem Anlaß aus, was sicher
viele dachten: „Diese Entscheidung wird sicherlich von den aktiven sowie im Ruhestand lebenden älteren Mitarbeitern
bedauert, da durch diese Maßnahme ein Produktionszweig endgültig eingestellt wird, der jahrzehntelang
ein Standbein unseres Werkes darstellte und vom Einsatz vieler hundert Mitarbeiter getragen wurde.“ Allein in der
Zeit nach dem Wiederaufbau des Werkes waren insgesamt über 100 000 t Cuprophan Verpackungsfolie hergestellt
worden. Dieses Produkt war von den ersten Anfängen an bei Bemberg selbst entwickelt worden. Wegen seiner verfahrensbedingten
Eigenschaften hatte es immer eine Sonderstellung auf dem Weltmarkt eingenommen - mit allen Vor- und Nachteilen.
Am 30.6.1983 beendete die Bemberg Folien GmbH alle Produktionsaktivitäten. Übrig blieb eine kleine Verkaufsmannschaft,
die einige Jahre später auch den Namen Bemberg endgültig aufgab. Nach fast 200 Jahren wurde der Traditionsname
Bemberg endgültig im Wuppertaler Handelsregister gelöscht.
Doch auch das hat den Lebenszyclus der Cuprophan Verpackungsfolie noch nicht endgültig beendet. Zäh wie
die Folie selbst behauptet sich die „Notlösung“ noch heute. Die UCB bekommt gelegentlich weiterhin Verpackungsfolien.
Diese werden wieder aus Abfallspinnlösung hergestellt. Damit schließt sich der Kreis - „back to the
roots“ - denn genauso hat vor 60 Jahren die Produktion von Cuprophan Verpackungsfolien angefangen. |
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Cuprophan = Cuprophan®
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