History informations - J. P. Bemberg (26)

The End for the Cuproyarn and Enka Swing

Ende für Cuprogarn und Enka Swing
 
Anläßlich der strategischen Überlegungen zur Bestimmung des zukünftigen Kurses war, wie schon berichtet, die Produktpalette einer kritischen Durchsicht unterzogen worden. Zu den als problematisch bezeichneten Produkten gehörten auch Cuprogarn und Enka Swing. Für beide kam 1973/74 das Aus.
 
Im Cuprogarn des Werkes Wuppertal lebte die Kupferkunstseide, der alte „Glanzstoff“, weiter, der im letzten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts in Oberbruch entwickelt worden war, dort aber schon seit 1915 nicht mehr hergestellt wurde. Bei der früheren J. P. Bemberg AG, die die Produktion weiterführte, hatte man Herstellungsverfahren und Qualität zu einer solchen Höhe weiterentwickelt, daß der Faden den Namen Bemberg in der ganzen Welt bekannt machte. Bemberg-Seide wurde zum Inbegriff der Eleganz. Sie vereinigte die Schönheit der Naturseide mit der Haltbarkeit der Chemiefasern. Für die Vorstellungen der damaligen Zeit hauchdünne Damenstrümpfe - Bemberg-Seide machte es möglich zu erschwinglichen Preisen. Ihre größte Zeit hatte sie in den 20er und 30er Jahren. Dann verblaßte ihr Ruhm. Gegen die Anfang der 50er Jahre auftretenden synthetischen Chemiefasern konnte sie sich nicht behaupten. Sie zog sich in Spezialgebiete, unter anderem in Futterstoffe und Unterwäsche, zurück. 1973 gab es im Werk Wuppertal noch eine kleine Produktion von 150 Tonnen pro Monat. Sie fand zwar immer ihre Abnehmer, aber es bestand am Ende keine Aussicht mehr, aus dem negativen Produktergebnis (sechs Mio. DM bei 16 bis 17 Mio. DM Umsatz) ein positives zu machen. Deshalb sollte die Produktion von Cuprogarn bei der 1972 vorgesehenen Schließung des Werkes beendet werden. Die Aufhebung des Planes gab ihm dann zwar noch eine kurze Gnadenfrist. Am Jahresende 1973 wurden die Cuprospinnmaschinen jedoch endgültig abgestellt. Das Cuprogarn verschwand, seine Stelle hatte aber schon die Cuprophan-Dialysemembran übernommen. Sie wurde ein nicht weniger erfolgreicher chemischer Nachfahre des Cuprogarns.
 
Enka Swing, ein elastisches Synthesegarn, das im Werk Obernburg und im Fabelta-Werk Tubize hergestellt wurde, hatte keine so lange und glänzende Geschichte hinter sich, als 1974 seine Produktion eingestellt wurde. Seine Geschichte begann damit, daß AKU und Glanzstoff 1966 übereinkamen, gemeinsam eine Produktion von elastischen Garnen aufzunehmen, wobei zunächst sowohl Arnheim (Werk Kleefse Waard) als auch Obernburg als Produktionsstandorte vorgesehen waren. Für das Herstellungsverfahren erwarb man eine Lizenz, weil weder Glanzstoff noch AKU über eigenes Know-how verfügten. Nach dem Start der Produktion an beiden Standorten wurde die Produktion 1969 dann doch in Obernburg konzentriert. Inzwischen war eine weitere Elastomergarnproduktion dazugekommen. Sie existierte bei der Fabelta, der kurz vor der Fusion erworbenen belgischen AKU-Tochter. Im Werk Tubize arbeitete man jedoch nach einem ganz anderen Verfahren als in Obernburg. Beide Verfahren glichen sich nur darin, daß sie ein Produkt lieferten, dessen Qualität sich mit der des marktbeherrschenden Herstellers nicht messen konnte. Die Folgen zeigten sich im Absatz, der selten ausreichte, um die Kapazitäten - 540 Jahrestonnen in Obernburg, 360 Jahrestonnen in Tubize - auszulasten. Sie machten sich auch in den unzulänglichen Erlösen bemerkbar. Als 1974 die Verluste auf das Doppelte von 1973 zusteuerten, fiel Mitte des Jahres die Entscheidung zur Beendigung der Produktion, weil keine Aussicht bestand, die Qualitätsprobleme in absehbarer Zeit zu beheben. Die Entscheidung fiel um so leichter, als Enka Swing mit einem Umsatz von nur zehn Mio. Gulden für Enka Glanzstoff nicht zu den strategisch bedeutsamen Produkten gehörte und die Schließung mindestens in Obernburg keine Arbeitsplatzprobleme erwarten ließ. Obernburg beendete die Produktion im September, Tubize im Dezember 1974.


Quelle: LVII