|
Ende für Cuprogarn und Enka Swing
Anläßlich der strategischen Überlegungen zur Bestimmung des zukünftigen Kurses war, wie schon
berichtet, die Produktpalette einer kritischen Durchsicht unterzogen worden. Zu den als problematisch bezeichneten
Produkten gehörten auch Cuprogarn und Enka Swing. Für beide kam 1973/74 das Aus.
Im Cuprogarn des Werkes Wuppertal lebte die Kupferkunstseide, der alte „Glanzstoff“, weiter, der im letzten Jahrzehnt
des vorigen Jahrhunderts in Oberbruch entwickelt worden war, dort aber schon seit 1915 nicht mehr hergestellt wurde.
Bei der früheren J. P. Bemberg AG, die die Produktion weiterführte, hatte man Herstellungsverfahren und
Qualität zu einer solchen Höhe weiterentwickelt, daß der Faden den Namen Bemberg in der ganzen
Welt bekannt machte. Bemberg-Seide wurde zum Inbegriff der Eleganz. Sie vereinigte die Schönheit der Naturseide
mit der Haltbarkeit der Chemiefasern. Für die Vorstellungen der damaligen Zeit hauchdünne Damenstrümpfe
- Bemberg-Seide machte es möglich zu erschwinglichen Preisen. Ihre größte Zeit hatte sie in den
20er und 30er Jahren. Dann verblaßte ihr Ruhm. Gegen die Anfang der 50er Jahre auftretenden synthetischen
Chemiefasern konnte sie sich nicht behaupten. Sie zog sich in Spezialgebiete, unter anderem in Futterstoffe und
Unterwäsche, zurück. 1973 gab es im Werk Wuppertal noch eine kleine Produktion von 150 Tonnen pro Monat.
Sie fand zwar immer ihre Abnehmer, aber es bestand am Ende keine Aussicht mehr, aus dem negativen Produktergebnis
(sechs Mio. DM bei 16 bis 17 Mio. DM Umsatz) ein positives zu machen. Deshalb sollte die Produktion von Cuprogarn
bei der 1972 vorgesehenen Schließung des Werkes beendet werden. Die Aufhebung des Planes gab ihm dann zwar
noch eine kurze Gnadenfrist. Am Jahresende 1973 wurden die Cuprospinnmaschinen jedoch endgültig abgestellt.
Das Cuprogarn verschwand, seine Stelle hatte aber schon die Cuprophan-Dialysemembran übernommen. Sie wurde
ein nicht weniger erfolgreicher chemischer Nachfahre des Cuprogarns.
Enka Swing, ein elastisches Synthesegarn, das im Werk Obernburg und im Fabelta-Werk Tubize hergestellt wurde, hatte
keine so lange und glänzende Geschichte hinter sich, als 1974 seine Produktion eingestellt wurde. Seine Geschichte
begann damit, daß AKU und Glanzstoff 1966 übereinkamen, gemeinsam eine Produktion von elastischen Garnen
aufzunehmen, wobei zunächst sowohl Arnheim (Werk Kleefse Waard) als auch Obernburg als Produktionsstandorte
vorgesehen waren. Für das Herstellungsverfahren erwarb man eine Lizenz, weil weder Glanzstoff noch AKU über
eigenes Know-how verfügten. Nach dem Start der Produktion an beiden Standorten wurde die Produktion 1969 dann
doch in Obernburg konzentriert. Inzwischen war eine weitere Elastomergarnproduktion dazugekommen. Sie existierte
bei der Fabelta, der kurz vor der Fusion erworbenen belgischen AKU-Tochter. Im Werk Tubize arbeitete man jedoch
nach einem ganz anderen Verfahren als in Obernburg. Beide Verfahren glichen sich nur darin, daß sie ein Produkt
lieferten, dessen Qualität sich mit der des marktbeherrschenden Herstellers nicht messen konnte. Die Folgen
zeigten sich im Absatz, der selten ausreichte, um die Kapazitäten - 540 Jahrestonnen in Obernburg, 360 Jahrestonnen
in Tubize - auszulasten. Sie machten sich auch in den unzulänglichen Erlösen bemerkbar. Als 1974 die
Verluste auf das Doppelte von 1973 zusteuerten, fiel Mitte des Jahres die Entscheidung zur Beendigung der Produktion,
weil keine Aussicht bestand, die Qualitätsprobleme in absehbarer Zeit zu beheben. Die Entscheidung fiel um
so leichter, als Enka Swing mit einem Umsatz von nur zehn Mio. Gulden für Enka Glanzstoff nicht zu den strategisch
bedeutsamen Produkten gehörte und die Schließung mindestens in Obernburg keine Arbeitsplatzprobleme
erwarten ließ. Obernburg beendete die Produktion im September, Tubize im Dezember 1974. |
|