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Hier die Geschichte des Werkes, das der Welt
eine neue Faser schenkte.
Zuerst das Paradoxe:
Der Gründer der Firma, Johann Peter Bemberg, kannte keine Bemberg-Kupferkunstseide. Dies wird allerdings verständlich,
wenn man weiß, daß dieser Johann Peter Bemberg bereits vor mehr als 150 Jahren - 1792 war es - das
Unternehmen gründete.
Sein Geschäft widmete sich zuerst dem Weinhandel. Keine schlechte Vorbereitung, wenn man daran denkt, daß
dieser Handel Geschmack und Kennertum erfordert.
Aber Johann Peter Bemberg wohnte in Elberfeld und die Atmosphäre der Textilstadt Elberfeld ließ ihn
bald neue Chancen für sein Unternehmen erkennen, und so nahm die Firma Johann Peter Bemberg den Handel mit
Farbstoffen, Baumwolle und Wolle auf. Wer zu der zeit mit Wein handelte, mußte oft ins Land des Bordeaux.
Aus Paris brachte Johann Peter Bemberg nicht nur gute Weine mit, sondern auch eine Erfindung besonderer Art. Es
war das Türkischrot-Öl, das er zum ersten Male in Deutschland für das Färben von Baumwollgarnen
verwendete, und dieser Farbstoff war bald so anerkannt und beliebt, daß Johann Peter Bemberg bald einige
Betriebe in Elberfeld und viele Kunden in aller Welt besaß. Für das beginnende 19. Jahrhundert war dieser
unermüdliche Kaufmann ein beachtenswerter Wegbereiter für die Modernisierung der Textilindustrie.
Der Sohn Johann Peter Bembergs hat den Vater nur wenige Jahre überlebt. Mit ihm starb der männliche Zweig
der Familie aus. Aber der Schwiegersohn, Friedrich Platzhoff, spürte die Möglichkeit, die industriellen
Aufschwung gab, und so ließ er das Handelsgeschäft zugunsten der Fabrik bald abklingen.
Der Enkel des Gründers schließlich. Johann Adolf Platzhoff, verlegte die aufstrebende Firma weiter östlich
nach Barmen, das seit über 300 Jahren in der Textilindustrie Westeuropas einen besonderen Rang einnahm. Dort,
wo Johann Adolf Platzhoff seine Fabrik errichtete, breitete sich ein Wiesengelände aus, das seit einigen Jahrhunderten
als Bleiche für Garne diente. Hier schöpften die Bleicher aus der Wupper das klare Wasser und besprengten
damit die ausgebreiteten Garnbündel. Hier entstand nun im Laufe der Jahrzehnte eine moderne Fabrikanlage,
deren Wachstum und Modernisierung in der Chronik der Firma Bemberg niedergelegt ist.
1865 wurde der Grundstein gelegt. Die Methode, mit Türkischrot-Öl zu färben, wurde verfeinert und
man gewann immer neue Absatzmärkte hinzu.
Dann allerdings kam der Rückschlag und ausgerechnet durch einen Landsmann:
Die Ausnutzung der Erfindung der Teerfarben durch den Elberfelder Friedrich Bayer setzte den bisherigen Methoden
ein Ende. Heute können wir rückblickend sagen: Es war zum Segen des Hauses Bemberg. Durch die Notwendigkeit,
die Fabrikation in andere Rahmen zu lenken, mußte man sich neuen Gebieten zuwenden. Um das Jahr 1880 leitete
der Urenkel Johann Peter Bembergs, Gustav Platzhoff, die Firma. Er begegnete dem Niedergang der Türkischrot-Färberei
durch den Ankauf einer Stückfärberei in Barmen, eines Werkes der Textilveredlung in Krefeld und schließlich
einer Buntweberei in Augsburg. Diese vier verschiedenartigen Betriebe waren sicherlich nicht bis ins Letzte aufeinander
abgestimmt, aber sie waren in der sicheren Hand des Kaufmanns Platzhoff eine günstige Kombination, die schließlich
- es war im Jahre 1897 - in einer Aktiengesellschaft ihre letzte Form erhielt.
Wenn 100 Jahre früher der Gründer der Firma eine attraktive Erfindung aus Paris mitbrachte, so kam jetzt
der Anstoß zur weiteren Entwicklung aus England. Hier hatte Mercer zum ersten Male Baumwollwaren mit starker
Lauge so glänzend gemacht, daß sie wie Seide schimmerten. Merzerisierte Baumwolle war am Ende des vergangenen
Jahrhunderts von den Frauen ein besonders begehrter Modeartikel. Die J. P. Bemberg erwarb dieses Patent für
Deutschland, und es ist ihr Verdienst, mit der Einführung der Merzerisierung so etwas wie eine Ouvertüre
für die Kunstseide angestimmt zu haben.
Den nächsten und wohl wichtigsten Entwicklungspunkt erreichte jedoch die Firma Bemberg ohne ausländisches
Vorbild. Der erste Generaldirektor der jungen Aktiengesellschaft, Dr. Ludwig Schreiner, erwarb ein deutsches Patent,
das ermöglichte, der Baumwolle wirklich Glanz und Schimmer der Seide zu geben. Der Kern dieses Verfahrens
bestand in dem Lauf der Fäden durch einen besonders fein gerillten Kalander.
Die Chronik der Firma J. P. Bemberg ist die Geschichte des seidenen Fadens. Von de
glänzenden Baumwolle bis zur Herstellung einer Kunstseide war sicherlich ein langer Weg. Die entscheidenden
Erfindungen für die Herstellung der Bemberg-Kupferkunstseide wurden bereits um die Jahrhundertwende geschützt.
Die Zellulose blieb, wie auch bei anderen Verfahren, die Grundlage. Sie wurde jedoch mit Hilfe von Kupfersalz,
Salmiakgeist und Natronlauge in Lösung gebracht und dann nach einer völlig neuartigen Erfindung - niedergelegt
im Thiele-Streckspinnverfahren - wieder als Faden ausgefällt.
Das Bemberg-Verfahren gibt dem Faden jene Feinheit und Geschmeidigkeit, die besondere Weichheit und einen seidenen
Griff, die seinerzeit geradezu epochemachend waren.
Was die Erfinder dem Werk gaben, haben Direktoren, Techniker und Arbeiter in die Praxis umgesetzt. Viele Versuche
waren notwendig, bis endlich die erste Kupferkunstseide das Werk verließ. In den Krefelder Färbereien
und in der Augsburger Weberei wurden die Bemberg-Garne erprobt und geprüft, bis sie allen Anforderungen der
sicherlich verwöhnten Bekleidungsindustrie und den modischen Anforderungen der Käufer entsprachen. Aus
der Not eine Tugend machen, wahrlich, das haben die Bemberg-Leute immer verstanden. Unter dem Zwang der Rohstoffknappheit
des ersten Weltkrieges stellten sie die erste Stapelfaser her, die einen guten Wollersatz ergab. In Friedenszeiten
wurde zwar die Produktion eingestellt, aber die Geschichte muß feststellen, daß die J. P. Bemberg AG.
die erste Stapelkunstfaser hergestellt hat.
Nach dem ersten Weltkrieg ging es mit dem Werk beachtlich bergauf. Waren es in den ersten Jahren rund 3500 kg Kupferkunstseide,
die täglich hergestellt wurden, so vervielfachte sich die Produktion recht bald. Die Nachfrage wurde immer
größer. 1922 wurde östlich von Oberbarmen, in der Oehde, ein neues, modernes Werk errichtet, dem
alle Erfahrungen der letzten Jahre zugute kamen. Erinnern wir uns doch: Vor 30 Jahren war „Bemberg“ bereits ein
Weltbegriff. Die größten und besten Webereien Deutschlands und des Auslandes verarbeiteten die Bemberg-
Faser. Den alles überstrahlenden Ruhm gab ihr jedoch zuletzt die Strumpfindustrie.
In diesen Jahren ist die Firma nicht nur in Fachkreisen bekannt, sondern tatsächlich populär geworden.
Die Entwicklung zum weltbedeutenden Unternehmen war vor allem das Verdienst Wilhelm Langenbruchs, der 1918 die
Leitung der Firma übernahm. Er eroberte der Kupferkunstseide zahlreiche Märkte und organisierte die Firma
bis zu eben erreichbaren Feinheiten. Tochtergesellschaften in Frankreich. Italien, England. Japan und in den USA.
wurden gegründet. Ohne spekulative Ambitionen gelang es, „Bemberg“ im Ausland heimisch und in jeder Beziehung
konkurrenzfähig zu machen. Mit der damaligen I. G. Farbenindustrie AG., heute Farbenfabriken Bayer AG., wurde
ein Vertrag abgeschlossen, der einen Erfahrungsaustausch vorsah und den Farbenfabriken das Recht gab, nach dem
Bemberg-Verfahren Kunstseide herzustellen.
Über den Erfolgen sind die Bemberg-Leute nie eingeschlafen. Die Entwicklung einer Zellglasfolie für Verpackungs-
und Einmachzwecke war die nächste Etappe in der Vervollkommnung des Produktionsprogramms. Bemberg-Cuprophan
ist heute ein vielseitiger Markenartikel geworden.
So war in 150 Jahren das Werk entstanden. Das Preiskomitee der Pariser Weltausstellung 1937 erkannte „Bemberg“
eine goldene Medaille zu. In wenigen Jahrzehnten war diese Faser vom Produkt der Laboratorien zum Markenartikel
für die ganze Welt geworden.
Der „seidene“ Faden, der Schicksalsfaden der J. P. Bemberg AG., schien jedoch abgelaufen zu sein, als sechs Wochen
vor Schluß des Krieges in einer halben Stunde das Werk Wuppertal fast vollständig zerstört wurde.
Und dennoch gab es kaum drei Monate später wieder Kupferkunstseide von Bemberg.
Heute ist eine neue Generation tätig. Neue Entwicklungen bahnen sich an; aber Bemberg-Kupferkunstseide, nun,
die ist so gefragt wie vor Jahren. 150 Jahre der Entwicklung in so stürmischen Zeiten überleben nur wenige
Firmen. Die J. P. Bemberg AG. hat sie überdauert.
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Ich möchte den anschließenden
Textblock nicht vorenthalten.
Obwohl er nichts mehr mit der Beschreibung der Firma J. P. Bemberg zu tun hat,
gibt er doch die Gedanken der Zeit wieder.
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Auch Sie wollen nun im Werk Wuppertal arbeiten. Generationen vor Ihnen sind hier tätig gewesen. Jeder hat
sein Bestes gegeben.
Es ist schon eine sich über mehr als ein Jahrhundert erstreckende Gemeinschaft, in die Sie eintreten.
Firmenleitung und Betriebsrat möchten Ihnen dazu folgendes sagen:
Sie verbringen einen ganz erheblichen Teil Ihres Lebens an Ihrer Arbeitsstätte. Für Ihr persönliches
Wohlergehen ist es also nicht gleichgültig, ob Sie ein gutes oder schlechtes Verhältnis zu Ihrer Arbeit
finden.
Berücksichtigen Sie weiter, daß Sie mit Ihrer Arbeit im Unternehmen nicht alleine stehen. Fühlen
Sie sich daher verantwortungsbewußt als ein Teil des Ganzen.
Das Ganze selbst kann aber nur durch vertrauensvolle Zusammenarbeit gedeihen. Echte Zusammenarbeit wiederum ist
undenkbar ohne äußere Ordnung. Nur die Ordnung vermag sie fruchtbar zu gestalten. Die Ordnung ist daher
nicht Selbstzweck, sie ist vielmehr das entscheidende Mittel, die gemeinsame Aufgabe zu verwirklichen.
Das Ziel gemeinsamer Arbeit von Leitung und jedem einzelnen muß es sein. durch möglichst reibungsloses
Zusammenwirken aller Einzelleistungen im Betrieb eine gesunde Betriebswirtschaft mit einem hohen Leistungsstand
zu fördern und zu sichern.
Bedenken Sie immer, daß Sie nicht zuletzt durch Ordnung die Zusammenarbeit und damit den wirtschaftlichen
Erfolg ermöglichen, der letzten Endes Ihnen wieder zugute kommt.
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