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(Bild: Deckblatt)
Das Ideal der Frau
Der Strumpf aus Bemberg-Seide
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(Bild: Seite o1)
Bemberg Seide
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SIE KAMEN
Die Strümpfe aus Bembergseide !
Glänzend und weich, schmiegsam und zärtlich. -
Und sie flüsterten den Frauen ins Ohr:
Schmückt Euch mit uns !
SIE SAHEN
Die Frauen an
Und eroberten sich ihre Herzen:
Durch ihre leuchtenden Farben, ihre edle Form,
Durch ihre vornehme Schönheit.
SIE SIEGTEN
Auf der ganzen Linie !
Weil die Frauen sie lieben;
Weil sie es nicht mehr entbehren können,
Das Geschenk einer neuen Zeit:
DIE STRÜMPFE AUS BEMBERG-SEIDE
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DIE STRÜMPFE AUS BEMBERG-SEIDE
Unsere erste Aufklärungsschrift ist unter dem Titel „Was ist Bembergseide“ in die Welt gegangen, unsere zweite
hat das Motto „Seide und Kultur“ erhalten, und diese dritte soll Aufklärung geben über „Strümpfe
aus Bembergseide“.
Seidene Strümpfe sind heute für die Damenwelt ein Gegenstand lebhaften Interesses. Es hat gewiß
auch schon früher manche Frau gegeben, die eine Schwäche für seidene Strümpfe hatte, aber es
waren doch nur wenige, die dieser Vorliebe folgen konnten. Heute kann man aber sagen, daß alle Damen, die
den Wunsch haben, gut angezogen zu sein, der Wahl ihrer Strümpfe die größte Aufmerksamkeit schenken.
Deshalb wird es die
Frauenwelt interessieren, zu erfahre, welche Anforderungen man an eine gute Qualität seidener Strümpfe
stellen muß:
1. eine federnde, rückgehende Elastizität, die bewirkt, daß sich auch nach vielen
Wäschen der Strumpf immer wieder den Formen des Beines, insbesondere der
Fesseln, anschmiegt und keine Falten bildet;
2. ein feiner, edler Glanz des Strumpfes, der der Trägerin eine persönliche Note gibt. Er
darf nicht aufdringlich sein, weil dadurch die Wirkung einer sorgfältig gewählten
Kleidung zerstört werden könnte;
3. ein angenehmes, weiches Gefühl für die Haut;
4. höchste Waschbarkeit;
5. Dauerhaftigkeit im Tragen.
Alle diese Forderungen werden von den Strümpfen aus Bembergseide erfüllt. Die Erklärung liegt in
den Eigenschaften der Einzelfaser der Bembergseide:
1. In der Technik unterscheidet man zwei Arten von Dehnbarkeit: die Dehnbarkeit des
Fadens bis zum Bruch und die Dehnbarkeit, die den Faden in seine ursprüngliche Länge
zurückgehen läßt. Auf letztere kommt es bei den Strümpfen ganz besonders
an. Diese
sogenannte rückgehende Elastizität ist bei Bembergseide sehr hoch.
2. Der Glanz entsteht durch Spiegelung der Lichtstrahlen und wird gemildert durch
Brechung und Streuung. Der Faden der Bembergseide hat Einzelfäden von der Feinheit
der Naturseide. Dies in Verbindung mit dem Aufbau der Faser bewirkt, daß die
Bembergseide den vornehmen, ruhigen Glanz der Naturseide hat. Es gibt wenig
Fachleute, die im Fertigfabrikat Bembergseide von Naturseide unterscheiden können.
3. Die Weichheit der Bembergseide ist zurückzuführen sowohl auf die Feinheit wie auch
auf die Geschmeidigkeit der Einzelfaser.
4. Es ist eine Eigentümlichkeit der Bembergseide, daß sie nach dem Waschen an
Aussehen nicht verliert, sondern gewinnt. Das erklärt sich daraus, daß durch
das
Waschen die 90 oder mehr Einzelfäden, aus dem der Faden besteht, gelockert werden.
Dadurch wird der Strumpf voller und weicher nach dem Waschen. Besondere Bedeutung
für Waschbarkeit hat natürlich die bekannte sehr hohe Naßfestigkeit der
Bembergseide.
5. Die Dauerhaftigkeit im Tragen hat ihren Grund darin, daß der Faden infolge seiner
Weichheit, Elastizität und hoher Festigkeit bei Spannung jedem Druck nachgibt, ohne
zu zerreißen, und auch nach längerem Gebrauch nicht mürbe wird.
Seitdem infolge der anerkannten Güte der Fabrikate der Name Bemberg in weiteste Kreise der Verbraucher eingedrungen
ist, sind uns viele Zuschriften zugegangen, welche die obigen beschriebenen Eigenschaften der Strümpfe aus
Bembergseide aus eigener praktischer Erfahrung heraus freiwillig bestätigt haben.
Mögen die obigen technischen Erklärungen die Freundinnen der Strümpfe aus Bembergseide in ihrem
Vertrauen noch bestärken und dazu helfen, die Erkenntnis von der vornehmen Schönheit und Gediegenheit
der bembergischen Strümpfe in weitere Kreise zu tragen.
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(Bild: Seite o7)
Fabrikansicht Barmen-Oehde
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Streiflichter auf die Herstellung der Bembergseide
Es ist eine merkwürdige und für unsere Zeit charakteristische Erfahrung, daß unsere Damenwelt sich
heute viel mehr für technische Fragen interessiert als früher. Deshalb hat man sehr häufig an uns
die Forderung gestellt, doch endlich den Schleier zu lüften, den wir aus begreiflichen Gründen über
die Herstellung der Bembergseide gebreitet haben. Die Damen wüßten gar zu gern, wie der schöne
weiche Faden, mit dem sie oft in Berührung kommen, entstanden ist. Deshalb bitte ich, mir im Geiste in die
Fabrik des arbeitstüchtigen Wuppertales zu folgen.
Wir lassen uns mit dem Fahrstuhl in das oberste Stockwerk der Vorbereitungsräume fahren. Wir stehen vor dem
Rohstoff, große Ballen gepreßter Linters. Sie kommen aus Amerika. Es ist Baumwolle, die von den Samenschalen
der Baumwollfrüchte stammt und chemisch den hochwertigen Rohstoff auf dem Gebiete der Zellulose darstellt;
denn sie besteht, von geringen Verunreinigungen abgesehen, ganz aus reiner Zellulose. Die wenigen Verunreinigungen
werden in mehreren Arbeitsgängen, die wir nun verfolgen können, in Reinigern, Bäuchkessel, Bleichholländern
sorgfältig und vollständig entfern, und zwar unter möglichster Schonung der eigentlichen Baumwollfaser.
Hierin schon liegt eine der Grundbedingungen für die guten Eigenschaften der Bembergseide. Die blendend weiß
aus dem Bleichholländer kommenden Linters werden nun noch geschleudert und sind jetzt bereit zur Umwandlung
in Kunstseide. Diese Umwandlung ist mit manchem Geheimnis umsponnen, das
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(Bild: Seite o8)
Rohstoffvorbereitung
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(Bild: Seite o9)
Lösungsraum
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die Wissenschaft nicht durchleuchtet hat. Nur die Umrisse der weiteren Geschehnisse sehen wir, wenn wir uns nun
in den „Löseraum“ begeben.
Hier stehen reihenweise Kessel. In einer Gruppe derselben, den „Lösekesseln“, geht die geheimnisvolle Mischung
vor sich. Hierzu dient eine blaue Flüssigkeit, die unter Verwendung von Kupfersulfat, Soda, Natronlauge, Ammoniak
und Wasser hergestellt wird. Sie heißt kurz „Cuprammonlösung“. In diese wird die Baumwolle eingetragen.
Die Faser quillt auf und geht, unterstützt durch Rühren, langsam in Lösung, aber in eine eigenartige
Lösung, die die Chemiker „Kolloid“ nennen. Es entsteht eine sehr zähe blaue Flüssigkeit, die „Spinnstoff-Lösung“.
Zur Reinigung wird sie mehrmals durch Filterpressen gedrückt und wandert dabei langsam durch die anderen Kessel,
die wir in dem Raume sehen. Eine Reihe derselben steht unter Vakuum, damit die in die Lösung eingerührte
Luft wieder herausgezogen wird: denn jedes im Stoffe enthaltene Luftbläschen würde beim Spinnen einen
Fadenbruch geben.
Aus dem Lösungsraum gehen wir in den „Spinnsaal“ und kommen in einen riesigen Hallenbau, in dem schier endlos
sich Spinnmaschine hinter Spinnmaschine reiht. Das Auge wird gefesselt durch die Bewegung der sich drehenden Häspel,
auf denen sich hellgrüne Stränge aufwickeln. Wir stehen vor dem schon ziemlich fertigen Kunstseidenfaden.
Woher kommt er ?
In langer Reihe stehen hinter den Häspeln Glastrichter, und in den Trichtern sehen wir zahlreiche blaue Fäden,
die trotz ihrer scheinbaren Ruhe in lebhafter Abziehbewegung sind. Sie kommen von oben aus einer großen Brause,
zuerst ziemlich dick, und werden nach unten hin immer dünner. Durch den Trichter stömt Wasser. Wir sehen
es unten abfließen.
Was geschieht hier? Die gereinigte Spinnlösung wird durch Rohrleitungen zu den Brausen gedrückt und durch
diese dann in genau geregelten Mengen herausgepreßt. Die Fäden fallen herab und ziehen sich, durch die
Wasserbewegung unterstützt, immer dünner aus. Hierbei erhärten sie aber auch: denn das Wasser entzieht
ihnen Ammoniak und Kupfer. Sie verlassen den Trichter unten schon als fester, blauer, noch kupferhaltiger Kunstseidenfaden.
Dieses Kupfer wird ihnen sofort, noch vor dem Haspel, durch ein schwefelsaures Bad entzogen. Im Grunde ist nun
die Kunstseide schon fertig. Was jetzt folgt, ist nur noch die Strangwäsche. In ihr wird das Kupfer endgültig,
dann auch die Säure herausgewaschen, der Strang geseift und getrocknet. Der Spinnsaal war die Stelle, an der
das Schicksal des Fadens entschieden wurde. Was wir da sahen, ist das sogenannte Streckspinnverfahren. Bei demselben
entsteht aus der schonend vorbehandelten und schonend gelösten Baumwollzellulose ein Faden von größter
Feinheit und sehr hoher, von keiner anderen Kunstseide er-
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(Bild: Seite 11)
Spinnsaal
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(Bild: Seite 12)
Wäscherei
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reichter Festigkeit, auch im nassen Zustande, ein Faden mit jenen besonderen Eigenschaften, die die Bembergseide
so schätzenswert machen.
Seine Feinheit ist aus praktischen Gründen anfänglich von der der Naturseide gewählt worden. Es
besteht heute aber gar kein Hindernis, hierin noch weiter zu geben. Ein Einzelfädchen von 9 km Länge
wiegt 1.25 g. Es hat also den Titer von 1,25 Denier. Diese Feinheit sieht man am besten im Querschnitt. Das Querschnittbild
ist der untrügliche Steckbrief der verschiedenen Fäden. Als Erläuterung mögen die drei Abbildungen
auf Seite 14 dienen. Nr. 1 zeigt den Querschnitt der Naturseide, Nr. 2 den der Bembergseide, Nr. 3 den von einer
Viskoseseide, alle bei gleicher, und zwar 300-facher Vergrößerung.
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(Bild: Seite 13)
Winderei - Zwirnerei - Haspelei
Mit unseren bekannten Prüfmitteln können wir eine ganze Anzahl, aber im Grunde doch nur sehr beschränkte
Auswahl von Eigenschaften des Fadens erfassen und messen, wie Feinheit, Festigkeit, Dehnbarkeit, Elastizität,
Deckkraft, Glanz. Die folgende Übersicht zeigt Festigkeit und Dehnbarkeit der verschiedenen Kunstseidenarten.
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|
Titer
|
Festigkeit
|
Dehnung
|
|
|
|
trocken
|
naß
|
trocken
|
naß
|
 |
| Nitroseide |
100
|
165
|
80
|
16
|
16,5
|
| Viskoseseide |
100
|
165
|
64
|
14,8
|
17,4
|
| Azetatseide |
100
|
125
|
73
|
26
|
35,8
|
| Bembergseide |
100
|
170,5
|
93,7
|
11,8
|
22,4
|
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(Bild: Seite 14)
Abb. 1. Naturseide, 300 fach vergrößert
Abb. 2. Bembergseide, 300 fach vergrößert
Abb. 3. Viskoseseide, 300 fach vergrößert
Bembergseide hat also die weitaus beste Naßfestigkeit. Die geringere Trockendehnbarkeit ist als ein weiterer
Vorzug zu betrachten, denn je größer sie ist, um so mehr treten Verarbeitungsfehler auf. Viel wichtiger
ist die Elastizität, das ist die Dehnbarkeit, die nach Aufhebung der Spannung wieder zurückgeht. Auf
diese wird in Zukunft das größte Gewicht gelegt werden müssen.
Für viele andere Eigenschaften, die für die Verarbeitung und den Gebrauch wesentlich und oft entscheidend
sind, fehlen noch geeignete Prüfmittel, z. B. für die Tragbarkeit, für den besonderen, wertvollen
Griff, für die Geschmeidigkeit, für die Formelastizität usw., alles Eigenschaften, deren Beurteilung
jedem Fachmann rein gefühlsmäßig geläufig sind und in denen er die besonderen Vorteile der
Bembergseide zu schätzen weiß. Hoffentlich gelingt es bald, Methoden und Prüfmittel zu finden,
mit denen man diese besonderen Eigenschaften der Bembergseide, welche sich im praktischen Gebrauch bewährt
haben, auch experimentell nachweisen und messen kann.
A. Z.
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(Bild: Seite 15)
Drei-Etagen-Zwirnmaschine |
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